14. Juli 2002

Atemkontrolle Teil II

und Guru Purnima  

 

OM...OM...OM...

 

Sai Ram.

Ich verbeuge mich vor den Lotusfüßen Bhagavans

Liebe Brüder und Schwestern!

 

Atemkontrolle  

In der letzten Woche haben wir zum Thema Atemkontrolle schon einiges miteinander behandelt.  Ich sprach in komprimierter Form zu  diesem Thema über drei Aspekte. Der erste Aspekt war das Soham – Mantra . Das ist die Atemübung, die wir Pranayama nennen und die entscheidend ist für ein langes, gesundes Leben, ebenso wie Konzentration und Kontemplation. Der zweite war  Musik und Schwingungen und der dritte Aspekt das Bewahren der inneren Harmonie.   

Das Bewahren der inneren Harmonie 

Lasst mich noch einmal ein paar Worte dazu sagen, wie wir unsere innere Harmonie erhalten können.  Wir haben keinen Seelenfrieden . Trotz der vielen Möglichkeiten, die wir in dieser Welt haben, ist unser Geist  aufgekratzt und im höchsten Maße gestört,  -  weil es uns an innerer Harmonie fehlt. Deshalb können wir nicht in Frieden leben.  

Ferner sehen wir für unser Alter ziemlich alt aus. Es ist erstaunlich, dass manche wie 60 oder 70 aussehen, obwohl sie erst 40 sind. Andererseits gibt es alte Menschen, die ganz jung aussehen. Das Geheimnis, das dahinter steckt, ist, die innere Harmonie zu erhalten oder in Frieden zu leben. Diejenigen, die sich diese innere Harmonie bewahren, sehen jung aus. Glaubt es oder nicht, - das ist das ganze Geheimnis.  

Und was ist nun diese innere Harmonie? Wie können wir sie bewahren? Hier gebe ich euch einige Hinweise. Unnötig zu sagen, das sie alle aus der Sai – Literatur stammen. Ich kenne keine andere Autorität als die Sai's - nichts dergleichen.  

Wachzustand und Traumzustand 

Es gibt drei Ebenen des Bewusstseins: Die erste ist der Wachzustand. Er wird jagratha genannt. Im jagratha funktionieren wir mit Hilfe dreier Komponenten: Dem Geist, dem Körper und der Seele. Diese drei verhelfen uns dazu,  dass wir uns der verschiedensten Erfahrungen des Wachzustands erfreuen können.  

Der zweite Bewusstseinszustand ist der Traumzustand  -  was swapna genannt wird. Ich kann träumen, ich sei nach Übersee gegangen oder dass ich ein Millionär sei, was die positive Seite des Traumes ist. Manchmal träume ich auch, ich habe alles verloren, bin von vielen Menschen misshandelt und verurteilt worden, was eher auf die negative Seite des Traumes gehört. Träume können also positiv und negativ sein. Derjenige, der diese Träume erlebt, wird von zwei Komponenten bestimmt - dem Geist (mind) und dem Selbst (atma). Die Komponente Körper fehlt.  

Es ist ganz offensichtlich, dass wir im Zustand des Tiefschlafes unbewusst die Glückseligkeit erleben. Im Tiefschlaf sind wir in einem Zustand, an dem der Geist nicht beteiligt ist, nicht funktioniert, sich zurückgezogen hat. Wenn der Geist in den Hintergrund tritt, ist alles in Ordnung.  

Wenn ich ‚geistig‘ sage, versteht bitte den Unterschied. Ich spreche nicht von einem entarteten Geist ; das wäre ein Fall für die Psychiatrie. Ich spreche vom Rückzug des Geistes, seiner Benommenheit, seinem Ruhezustand. Wenn der Geist zum Schweigen gebracht ist, wenn er sich wie im Tiefschlaf zurückgezogen hat, erleben wir Glückseligkeit. Das wird sushupti genannt, ein Zustand, bei dem nur das Selbst (atma) als Zeuge übrig bleibt.  

Wenn ich also sage: „Oh, ich hab gut geschlafen!“ Wer hat euch das gesagt? Der Geist? Nein! Der Geist existiert nicht im Tiefschlaf. Hat euch euer Körper informiert? Nein, nein! Der Körper war nicht beteiligt. Woher wisst ihr dann, dass ihr gut geschlafen habt? „Sei still. Das ist mein Erlebnis.“ Was heißt das? Der Zeuge oder der sakshi erzählt euch von dem herrlichen Erlebnis  -   es bedeutet, dass ihr in dem Augenblick , wo ihr in den Zustand des Zeugen eintretet, wenn also der Bewusstseinszustand erreicht ist, an dem Körper und Geist nicht beteiligt sind, ihr Glückseligkeit erlangt. Warum?   

Es ist die Natur der Seele, die Natur unseres Geistes, es ist die Natur des reinen Bewusstseins glückselig zu sein. Glückseligkeit ist das Selbst. Das Selbst ist Glückseligkeit. Ich denke, das ist klar. Wenn also der Körper und der Geist nicht mehr beteiligt sind, erlebt das Selbst Glückseligkeit. Deshalb sagen wir: „Oh, herrlich, herrlich! Was hab ich gut geschlafen!“    

Überbewusstseinszustand

Es gibt noch einen Bewusstseinszustand, der über den oben erwähnten steht und turiya oder Überbewusstsein heißt  und jenseits der drei genannten liegt. Was ist dieses Überbewusstsein? ‚Überbewusstsein‘ bedeutet die Identifizierung des individuellen Selbst mit dem Kosmischen Selbst. Es ist die Identifizierung des individuellen Selbst mit dem universalen Selbst. Es bedeutet, ein Wassertropfen erkennt seine Identität im Ozean. Der Ozean ist so gewaltig, ein Tropfen jedoch so klein und subtil. Im Zustand des Überbewusstseins identifiziert sich der Tropfen mit dem mächtigen Ozean.  

„Wie töricht!“ Es mag töricht klingen, wenn ihr nur die Quantität in Erwägung zieht. Dann ist ein Tropfen wirklich so klein. Aber wenn es um die Qualität geht, dann ist ein Tropfen ebenso gut wie der Ozean. Der einzige Unterschied ist die Menge. Der Tropfen und der Ozean sind in der Hauptsache grundsätzlich Aqua, Wasser, H2O. Der Ozean ist nicht H3O und der Tropfen nicht H4O. Nichts zu machen! Beide sind hauptsächlich H2O oder Wasser. Die Identifikation also der individuellen Seele, dem Tropfen, mit der Universalen Seele, dem Ozean, ist turiya oder der transzendente Zustand des Bewusstseins.  

Zu diesem Thema gibt  es nun einige Sanskritwörter, die ich euch so veranschaulichen werde, wie Bhagawan es immer tut: Zum Beispiel bin ich Schauspieler und spiele in einem Drama in drei verschiedene Rollen, drei verschiedene Personen. In der ersten Szene habe ich die Rolle einer bestimmten Person übernommen, in der zweiten Szene die einer anderen Person und in der dritten Szene die einer noch anderen Person. Obwohl ich in dem Drama in drei verschiedenen Rollen, drei verschiedene Personen spiele,  bin ich dennoch keine dieser drei Personen, die ich spiele.  

Wenn ich nun anfange die Person in der ersten Rolle zu spielen , dann identifizieren mich nicht nur die Leute mit dieser Person und Rolle, sondern ich selbst auch. Wenn das so ist, bin ich ein guter Schauspieler. Genau so geschieht es in der zweiten Szene und in der dritten. Obwohl mich die Leute und ich mich selbst in allen drei Szenen mit der Person und der Rolle identifiziere, bin ich am Ende des Dramas doch keine dieser drei Personen in ihren Rollen.  

In der ersten Szene spiele ich beispielsweise die Rolle eines Tagelöhners. In der zweiten bin ich ein König. Am Ende des Stückes gebe ich vor weder das eine noch das andere zu sein. Stellt euch vor , ich marschierte in die Kantine und riefe: „Ich bin der König!“ Die Leute würden denken, dass dies nicht der richtig Platz für mich ist! (Lachen).  

Deshalb wird das Überbewusstsein , das Paramatma oder Göttlichkeit genannt wird, auf der persönlichen Ebene jivatma genannt, oder individuelle Seele oder individuelles Bewusstsein. Das ist das, was wir im Tiefschlaf – sushupti - erleben. Das individuelle Bewusstsein wird auf der persönlichen Ebene im Tiefschlaf erlebt. Deshalb, meine Freunde,  nennen wir den transzendenten Zustand des Bewusstseins( turiya) , die Verschmelzung des Einen mit  dem Unendlichen, die Verschmelzung des Tropfens mit dem Ozean,  das Kosmische Selbst, das Universale Selbst, das transzendent ist. 

Dies sind also die vier Stufen des Bewusstseins, wobei die vierte die höchste ist. Sie ist in den drei anderen vorhanden, überschreitet sie jedoch. Erinnert euch an das Beispiel, das ich euch gegeben habe: Ich spiele drei verschiedene Personen in drei verschiedenen Rollen in einem Drama, ich bin aber keine der Personen in den Rollen die ich spiele.  Oder ich bin da, jedoch über oder jenseits der anderen Stufen. 

Tagtraum und Nachttraum

 Um innere Harmonie herzustellen, muss man die vier Stufen des Lebens verstehen. Ihr mögt euch wundern, wie ihr zur inneren Harmonie nur durch das Wissen über die drei Stufen des Bewusstseins? Erlaubt mir diese Frage zu beantworten. Wenn ich weiß, dies ist der Wachzustand, wenn ich weiß, das ist der Traumzustand, wenn ich weiß, dies ist der Zustand des Tiefschlafes, wie kann ich dann innere Harmonie haben? Das ist die Grundfrage, die wir stellen müssen. 

Die Antwort ist einfach. Was sagt Bhagawan dazu? Unser Bhagawan gibt uns allen  eine wunderbare, jedoch unangenehme, komplizierte und spirituelle Vorschrift in der einfachen Form einer homöopathischen Pille, das ist alles! (Lachen) Ja, eine homöopathische Pille! Sie ist so klein, so süß! Ihr könnt sie ganz leicht schlucken! Es wurden Bücher über Bücher zu diesen Themen geschrieben; aber entweder wir verstehen sie, oder wir werden verrückt und wollen Selbstmord begehen. (Lachen)  Bhagawan aber erklärt alles in einer solch einfachen, wunderschönen, göttlichen, einzigartigen, unnachahmlichen Weise, dass wir immer mehr und mehr Bücher dieser Art lesen wollen. Wir möchten diese göttlichen Darstellungen miterleben. Was sagt Er?

Was wir jetzt erleben ist ein Tagtraum. Was wir im Schlaf erfahren, ist der Nachttraum. Ein Tagtraum hat 12 Stunden, der Nachttraum hat auch 12 Stunden. Ein ganzer Tag hat 24 Stunden, - das ist so auf der ganzen Welt, ob nun in den USA oder in Russland.

Bhagawan sagt: „Erkennt : Das Leben ist ein Traum.“ Alles, was ihr jetzt erlebt, ist ein Tagtraum. Es ist nicht von Dauer. Und wenn ihr einschlaft und etwas träumt, wird auch das verschwinden. „Erkennt: Das Leben ist ein Traum.“ Alles ist wie vorüberziehende Wolken. Ich freue mich vielleicht gerade über etwas, aber dann schlafe ich und träume, dass ich weine. Es kann sein, dass ich im Traum weine - und tanze, wenn ich im Wachzustand bin. Keins von beiden ist von Dauer. Keins von beiden ist ewig. Der aber, der es erlebt, das „Ich“, - das ist ewig. Das Wissen also um die Tatsache, dass dies ein Tagtraum, jenes aber ein Nachttraum und keiner von beiden von Dauer ist, - das verhilft uns zu innerer Harmonie. Dadurch können wir Gleichmut entwickeln und in Frieden leben. Euch dies heute morgen als erstes nahe zu bringen war mir sehr wichtig. 

Die vier Phasen des Lebens

 Beim nächsten Punkt geht es um die vier Phasen des Lebens.  Die erste Phase ist die Kindheit, balya. Die zweite die Jugend, youvana. Die dritte Phase ist das mittlere Alter, kaumarya und die vierte das Alter, vardhyaka. Es gibt nur diese vier Phasen. Es gibt nur vier Lebensphasen und das war schon immer so, - gestern, heute und wird auch in Zukunft so bleiben, und die sind Kindheit, Jugend, mittleres Alter und Alter. 

Wie hilft mir dies nun innere Harmonie zu entwickeln? Es hilft mir dann, wenn ich mir klarmache, dass diese vier Phasen aufeinanderfolgen, dass sie unumgänglich, unvermeidlich, - unentbehrlich sind. Sie werden geschehen, stattfinden. Ich kann nicht sagen: „Oh Gott, ich will ewig jung bleiben!“ Unmöglich! Keine Kosmetik, keine Gesichtsmaske, kein Puder, kein Schönheitschirurg kann euch dazu verhelfen ewig jung zu bleiben.

Ich jammere also nicht, wenn ich alt werde. Ich altere in Würde. Es liegt Schönheit im Alter. Diejenigen, die sich dabei schlecht fühlen, haben versäumt die vorangegangenen Stufen in Fülle zu genießen. Nehmen wir an, ich habe meine Jugend nicht genossen. Deshalb jammere ich im Alter. Das ist auch der Grund warum alte Leute die Jungend tadelt: „Nichtsnutz, warum vertust du deine Zeit in dem du umherstreifst?“ Es bedeutet, dass diese betagte Person so etwas in der Vergangenheit nicht getan hat.(Lachen). Wenn das Kindsein in vollen Zügen genossen wurde, gibt es keine Jugend, die bedauert werden kann. Wenn die Schönheit in vollen Zügen genossen wurde, sehnt man sich in mittlerem Alter nicht danach. Wenn die Vorzüge des mittleren Alters verwirklicht wurden, sie ganz ausgekostet und verstanden wurden, dann gibt es kein Bedauern, wenn man im Alter zurückblickt.

Der Sohn erzählt dem Vater stolz: „Vater, schau, ich habe ein Auto der Marke Maruthi!“ Der Vater antworte: „Was ist das schon, ich bin einen Mercedes gefahren!“ Es ist doch so, dass die sogenannte Generationskluft, der psychologische Unterschied darin begründet liegt, dass wir die vorhergehende Phase in unserem Leben nicht genossen haben, deshalb empfinden wir Missgunst und beklagen uns in den folgenden Lebensphasen  über die, die wir vergessen haben zu genießen.

Also die Reihenfolge der Lebensphasen ist naturgegeben, da hilft kein Jammern und kein Klagen. Außerdem hat jede Phase ihre eigene Schönheit, Großartigkeit, ihren Glanz und ihren Geschmack. Mit diesem Wissen  können wir uns innerer Harmonie erfreuen. 

1. Phase Brahmacharya – Ehelosigkeit

Ich möchte nun eure Aufmerksamkeit auf die vier Lebensphasen lenken. Die erste Phase ist die eines Ehelosen - brahmacharya. Dabei handelt es sich um ein diszipliniertes Leben – nicht das andere Lebenshasen undiszipliniert wären! Aber in dieser Phase lebt der Mensch unter vollständiger Kontrolle seiner Sinne. Diese Periode wird dazu genutzt Wissen zu erwerben. Ein Prozess des Lernens und der Schulung findet statt. Ein brahmacharya rüstet sich diszipliniert für das Leben,  indem er  Wissen erwirbt, sich auf das Leben vorbereitet. Das muss sehr gründlich geschehen und ebenso behutsam, damit das Lebensgebäude nicht zusammenstürzt. 

Kürzlich berichtete die Zeitung darüber, dass ein 30 Stockwerke hohes Gebäude zusammenstürzte. Warum? Es hatte kein vernünftiges Fundament. Brahmacharya ist vergleichbar mit dem Fundament eines Gebäudes. Ist es stark, wird das Lebensgebäude sicher stehen. In gleicher Weise ist  die erste Phase im Leben eines Menschen, Brahmacharya,  die Vorbereitung auf das Leben.

2. Phase Grihastha – Haushaltsvorstand 

Die zweite Phase ist die eines Haushaltsvorstandes, grihastha. Für diese Lebensphase gelten zwei Dinge: Kama, Begehren, Verlangen und artha, Wohlstand, Geld.  Man sollte in dieser Phase das Geld haben, sein Verlangen zu befriedigen. Ohne Geld kann man sich seine Wünsche nicht erfüllen. Willst du eine Cola, wird sie dir niemand  kostenlos überlassen. Hast du Lust auf ein Stück Kuchen, - niemand wird dir eins anbieten mit den Worten: „Hier, bedien‘ dich!“ Nein, nein! Du musst dafür bezahlen. Alles hat seinen Preis. Als Haushaltvorstand erfüllst du dir also deine Wünsche – ganz persönlich und im Rahmen des Gesetzes – indem du Geld verdienst. Artha und kama sind also in der Phase der Haushaltsvorstehung entscheidend. Du erfüllst deine Pflicht als verantwortungsvoller Mensch, der einem Haushalt vorsteht.  

3. Phase Vanaprastha - Einsiedler

Die dritte Phase des Lebens ist die des Einsiedlers,  vanaprastha. Ich habe nicht von ‚sorglos‘ gesprochen (A.K. stellt die Wörter ‚recluse‘ – Einsiedler und ‚reckless‘sorglos scherzhaft nebeneinander, weil sie sehr ähnlich klingen, Anm.d.Ü) ich spreche von ‚Einsiedler‘. Es gibt Beispiele von Menschen, die diesen Zustand mit Sorglosigkeit gleichsetzen,  -  nun, davon wollen wir nicht reden. Was ist nun gemeint mit ‚Einsiedler‘ oder vanaprastha? 

Ein  vanaprastha, ein ‚Einsiedler‘, ist jemand, der die Verantwortung auf seine Kinder überträgt und sie nun nur noch leitet – das ist alles. Nun können sie unabhängig werden. Er wird nicht ihr Partner sein, auch kein neues Gewerbe beginnen und die Kinder belästigen und ärgern, damit die Kinder nur auf sein Ableben warten weil er sie in der Vergangenheit drangsaliert hat.  Wenn er damit fortfährt, wird er den Kindern zu einer Last. Seine Aufgabe ist das Verteilen (seines Gewerbes) an die Kinder, sie anzuleiten und ihnen die richtige Hilfe zu gewähren. Das ist ein vanaprastrha. Wenn man seinen Rat wünscht, ist er bereit, ihn zu erteilen, wenn etwas geplant werden muss oder er sich irgendwie anderweitig nützlich machen kann, ist er dazu bereit. 

Diese Art von Führung leitet er von seiner Erfahrung als Haushaltvorstand ab. Er hat sich in dieser Zeit vieles angeeignet. Er hat diesen Erfahrungsreichtum und erreicht nun die Phase des vanaprastha, des Einsiedlers. Und er ist bereit zu führen. „Meine Lieben,  auch ich hab all dies hinter mich gebracht!  Ich weiß also, wovon ich rede. Dies ist mein Vorschlag. Dies ist mein Plan, mein Entwurf.  Warum versucht ihr es nicht mal so?“ Findet es keinen Anklang,  OK! Das ist dann nicht sein Problem. Er sollte sich nicht daran stören. Er  war bereit zu raten, - findet der Rat keine Beachtung, - ist das des anderen Problem.

4. Phase Sanyasa – Entsagung

Bei der  vierten Lebensphase handelt es sich um das Stadium der Entsagung, oder sanyasi. In diesem Stadium ist der Mensch an niemanden mehr gebunden. Er hat sein Leben genossen – als Kind hat er herrlich gespielt, als Jugendlicher hat er alle Freuden des Lebens ausgekostet. Als Haushaltsvorstand hat er all seine Pflichten erfüllt. Als Einsiedler hat er seinen Kindern mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Nun ist er ein  Entsagender. 

Wenn eines seiner Kinder sagt: „Vater, warum machst du nicht einen Laden auf?“, wird er sagen: „Das ist nichts mehr für mich! Das ist nun eure Aufgabe, nicht mehr meine. Lasst mich jetzt in Frieden.“ Die Phase der Entsagung ist ein ungestörtes, ruhiges Stadium, - in dem man sich völlig zurückzieht,  eine Phase der inneren Einkehr,  der Suche nach verborgenem Wissen,  in der man sein inneres Selbst erfährt. Das hat alles nichts mehr mit Geschäften, Aufgaben oder neuen Wagnissen zu tun, nein! 

Dieser Mensch hat keine Schlüsselgewalt mehr. Er rechnet auch keine Zinsen mehr nach, die er eventuell bekommen würde  - hör‘ auf mit diesem Unsinn! Genug ist genug. „Ich bin nicht mehr interessiert an diesen Dingen,  -  die Preise ändern sich von einem Tag zum anderen, - ich möchte nicht, dass mein Blutdruck in die Höhe schießt, nur weil die Zinsen von Zeit zu Zeit steigen oder fallen. Ich hab kein Interesse an Zinsen. Lasst mich in Ruhe.“ Das sollte die psychologische Denkweise sein, die Geisteshaltung eines  reifen Menschen – allem den Rücken kehren und entsagen wie ein sanyasi. 

Er ist in keiner Weise beunruhigt, - er ist in einem Zustand vollkommener Gelassenheit  -- sama dristhi. Er hat keine Wünsche mehr, - kein kama. Es verlangt ihn nicht mehr nach artha, - Geld. Er befindet sich in einem Zustand der Stille. Er erfreut sich an dieser Leere. Er genießt die Leere in sich. Er hat sich vom Äußerlichen zurückgezogen und wendet sich nach innen. Bis dahin fand sein Leben in der äußeren Welt statt, der pravritti. Danach nun liegt es innen. Das größere Leben, das tiefere, das liegt innen. Die Suche nach der Göttlichkeit in ihm kennzeichnet die letzte Phase – das Leben eines Entsagenden, eines sanyasi. 

Wir erkennen also, dass, wenn wir unsere Pflicht erfüllen, wenn wir all das tun, was von uns in jeder Phase des Lebens erwartet wird, es da einen Zusammenhang gibt. Wir begreifen den Lauf der Entwicklung; es gibt einen Prozess des Wachstums. Es ist der Verlauf des inneren Fortschritts. Nun können wir in innerer Harmonie leben, ein sehr wichtiger Punkt, auf den ich euch hinweisen wollte.

Die Werkzeuge des Lebens

 Nun sprechen wir über einen weiteren Aspekt, der für die innere Harmonie wichtig ist: Welche Werkzeuge braucht man zum Leben? Ein Arzt braucht Instrumente. Ebenso ein Mechaniker. Ein Lehrer braucht ein Stück Kreide, ein Textbuch und eine Tafel. Wenn ein Lehrer sagt, er benötige weder Kreide noch Tafel, dann ist er ein langweiliger Lehrer, der nicht mehr gebraucht wird. Er sollte Fahrer werden! 

Ein Lehrer kann in der Gesellschaft größeres Unheil anrichten, als jeder andere. Ein Arzt mag in seinem Leben erfolgreich 20 Menschen umbringen. Ein Ingenieur kann es schaffen, am Einsturz von ein oder zwei Brücken beteiligt zu sein. Aber ein Lehrer, - ein Lehrer, der am falschen Platz ist, der keine Einfälle hat, der ohne Engagement ist,  ein Lehrer ohne Hingabe an seinen Beruf, ohne das richtige Verständnis, dieser Lehrer kann Generationen verderben! Man muss also sehr vorsichtig sein, wenn man diesen Beruf ergreift.

Ein Lehrer braucht also auch bestimmtes Handwerkszeug. Ein Wissenschaftler benötigt  ein Reagenzglas, ja, und einen Brenner in seinem Labor. 

Der Körper

In gleicher Weise brauchen wir Werkzeuge für das Leben. Welche sind das? Gott hat uns den Körper gegeben, - deha. Niemand wird sagen: „Ich brauche den Körper nicht.“ Jeder braucht ihn und keiner sagt: „Was ist das schon, der Körper?“ Jemand, der so etwas sagt, ist  ein Nichtsnutz! Dieser Körper ist etwas Heiliges. Lasst ihn uns nicht im Namen der Religion verleugnen. Es gibt Leute, die sagen, der Körper sei nutzlos. Gut. Aber wie könnt ihr sprechen, wenn ihr keinen Körper habt? 

Bitte versteht mich recht: Ich habe diesen Körper nicht geschaffen. Er ist ein Geschenk von Gott. Bhagawan sagt außerdem, der Körper sei ein beweglicher Tempel Gottes. Wenn ich also sage, ich sei bereit, meinen Körper zu foltern, zu fasten, mager und schwach zu sein – alles im Namen der Spiritualität – dann ist das nichts als Unsinn und Wahnsinn. Wir sollen diesen Körper nicht zerstören, weil er ein Geschenk Gottes ist. Wir haben ihn nicht geschaffen und dürfen ihn auch nicht ruinieren. Wir müssen ihn pflegen.

Deshalb sagt Swami auch manchmal zu den Jungen: „Hey, warum bist du so mager? Und so schwach? Isst du nicht vernünftig?“ und Er wird ihnen sagen: „Ihr seid in einem Alter, in dem ihr mehr essen müsst. In diesem Alter müsst ihr stark sein.“ Zu Menschen in meinem Alter sagt Er eher: „Nun, -- Ich sehe, du nimmst die Form eines Fragezeichens an! Sei vorsichtig! Iss nicht mehr (Lachen). Vorsicht! Was ist denn das? Du kannst ja nicht mehr richtig aufstehen.“

Euer Körper muss also gut gepflegt werden. Ihr dürft ihn nicht vernachlässigen. Es ist die Hauptausrüstung, die Gott euch gegeben hat  -  ein göttlicher Apparat als Geschenk von Bhagawan, der Gott selber ist.

Die Sinne

Ein anderes Werkzeug für das Leben sind die Sinne, - indriyas. Einfach nur einen Körper zu haben reicht nicht. Es gehören auch die Sinne dazu,  -  die Sinne der Wahrnehmung und die des Handelns. Uns wurden also jnanendriya, die Sinne der Wahrnehmung und karmendriya, .die Sinne des Handelns gegeben, damit der Körper effektiv, funktional, sinnvoll und  zweckmäßig und zielorientiert sein kann. 

Die Sinne also, die zu diesem Körper gehören, dienen einem Zweck. Die Augen haben nicht nur die Aufgabe, all diesen Unsinn anzuschauen, sie sind uns geschenkt, damit wir das erkennen können, was heilig ist. Die Ohren haben wir nicht, damit wir uns Klatsch oder dummes Gerede anhören oder Gerüchte. Wir bekamen die Ohren geschenkt, um der Musik  -  der Melodie des Lebens zu lauschen. So haben all unsere Gliedmaßen, alle Teile unseres Körpers ihren Zweck. Wir haben unsere Hände nicht um Karten zu spielen, sondern um der Gesellschaft zu dienen. Die Nasenlöcher sind dazu da, Duft zu riechen und nicht  damit wir Schnupftabak schnupfen (Lachen).  Sicher nicht! Die Zunge haben wir geschenkt bekommen, damit wir schmecken und singen können, nicht um Kautabak zu kauen.  

Der Geist  

Jeder Teil des Körpers dient also eindeutig einem geheiligten Zweck. Wenn wir ihn missbrauchen oder misshandeln, dann ist das eine Tragödie. Dieses wunderschöne Geschenk des Lebens hat  seine ihm eigene Maschinerie – den Körper. Dazu gehören die Sinne – indriyas und der Geist manas.  Den Geist, manas bekamen wir von Gott. Er ist mächtiger als eine Rakete; mächtiger als jede Atombombe oder Wasserstoffbombe; mächtiger als alles andere, selbst mächtiger als die neueste Erfindung des Menschen. 

Der Geist kann Karriere machen und kann sie ruinieren. Er kann aus der Hölle den Himmel machen  und umgekehrt. Der Geist ist alles im Leben.  Er ist die Ursache für Gefangenschaft  und er ist ebenso die  Ursache für Befreiung. Wenn ihr im Leben Fortschritte machen wollt, wird euch der Geist dazu verhelfen. Wenn ihr euer Leben ruinieren wollt, - der Geist ist immer dazu bereit. (Lachen). 

An dem Geist gibt es nichts auszusetzen, - es die Art und Weise, wie wir ihn benutzen. Wie bei der Erziehung, - sie kann uns für unsere selbstsüchtigen Ziele dienlich sein, oder wir können sie dazu gebrauchen die soziale Struktur unseres Landes zu verbessern. Mit dem Geld ist es ähnlich: Man kann sich damit Extravagantes und Luxus erkaufen oder man kann es für Wohltätigkeit opfern. Es kommt also ganz auf den ‚Benutzer‘ an, nicht auf das Geld selbst oder die Erziehung oder irgend etwas in dieser Richtung. Es liegt einzig und allein an demjenigen, der es verwendet. 

Manche Menschen sagen: „Langsam geht mir mein Geist etwas auf die Nerven.“ Oh-ho! Wenn dir dein Geist zu viel wird, dann gib ihn auf und du wirst zu einem geistig Kranken. Stattdessen solltest du mit Hilfe deines Geistes ein Experte sein, solltest ein Erinnerungsvermögen haben und in der Lage sein Zusammenhänge zu erkennen. Du solltest Denkvermögen besitzen, imstande sein zu fühlen, zu entscheiden, zu beurteilen, zu unterscheiden, du solltest Umsicht und Urteilsfähigkeit besitzen. All das liefert dir der Geist. Es sind alles Aspekte des Geistes, durch die du das Beste schaffen kannst.

Wir können also den Geist nicht verurteilen. Verurteilt weder den Körper noch den Geist. Warum nicht? Wir fühlen uns so friedlich in Prashanti Nilayam. Wie erlebt ihr diesen Frieden? Es ist der Geist, der diesen Frieden erlebt. Wenn ich euch anschreie, seid ihr beunruhigt. Auch das ist euer Geist. Wenn ihr Bhagawans bhajans singt, ah, dann geratet ihr in Ekstase. Wieso? Der Geist lässt euch ungeahnte Höhenflüge machen und Höhen erklimmen. Er trägt euch zu diesen Horizonten. Wir können also den Geist nicht verurteilen. Das wäre ein Zeichen von Schwäche. Ein Feigling tut das, - und jemand, der vor der Realität flieht. Wir sollten es nicht tun. Wir sollten uns stattdessen den Geist zunutze machen, ihn lenken und leiten, - aber nicht verurteilen. 

Der Intellekt 

Der Intellekt or buddhi ist dem Geist sehr nahe. Es  ist der Intellekt, der dich deine Erfahrungen machen lässt, der dir hilft das Göttliche zu kennen und zu begreifen. Der Geist beschäftigt sich mit Äußerlichem, während der Intellekt aus dem Inneren heraus arbeitet; er ist intuitiv, während der Geist psychologisch ist. Der Intellekt ist so ein mächtiges Instrument, dass du dir nicht leisten kannst ihn zu verlieren 

Wenn ein Chirurg kein Skalpell hat, - was kann er dann tun? Fängt er vielleicht im OP an bhajans zu singen? Was kann er tun? Ein Skalpell ist sehr wichtig für einen Chirurgen. Ebenso wichtig ist der Intellekt (bhuddi)  für jeden Menschen, weil er ihm hilft sich nach innen zu wenden. Die besten Entdeckungen machen wir intuitiv. Die höchsten spirituellen Offenbarungen geschehen vollkommen intuitiv. Der Intellekt muss also geweckt werden. 

Nun kennen wir den Körper. Wer bist du? Der Körper sagt: „Ich bin der-und-der.“ Wessen Hand ist dies? „Dies ist meine Hand, mein Bein.“ Das ‚Ich’ kommt zum Vorschein. „Ich glaube, ich fühle das,“  -  auch hier ist das ‚Ich‘ anwesend. „Mein Intellekt, meine Intuition, meine innere Stimme sagen mir... “  -  wieder ist da das ‚Ich‘. Das ‚Ich‘ ist also in den folgenden vier Instrumenten des Körpers vorhanden. Dieses ‚Ich‘ identifiziert sich mit 1. dem Körper,  mit 2. den Sinnen, mit 3. dem Geist und es identifiziert sich 4. mit dem Intellekt.  Dieses ‚Ich‘ ist das Bindeglied,   -  es ist das Super-Ich. Dieses ‚Ich‘ ist transzendent. – es ist das Göttliche – Brahman.   

Deshalb sagt Bhagawan: „Was ist dieses ‚Ich‘?“ Man kann nicht sagen, es ist der Körper, nein! Auch nicht der Geist. ‚Ich‘ ist ‚Ich‘, mehr ist dazu nicht zu sagen. Wer bin ich? ‚Ich‘ bin ‚Ich‘. Das ist  Bhagavans Antwort. Ich bin nicht du. Ich bin nicht irgendjemand. Auch nicht der Körper oder der Geist, nein, nein! Ich bin ‚Ich‘. Das ist die letztendliche Antwort. Versteht ihr das? Nur wer in perfekter innerer Harmonie lebt, kann sich das klar machen, sonst ist das nicht möglich. Es gibt keinen anderen Weg zu dieser Erkenntnis. 

Musik und Schwingungen 

Nun wollen wir den letzten Aspekt betrachten, der ‚Musik und Schwingungen‘ genannt  wird. Über dieses Thema könnte man unendlich lange nachdenken. Aber ich möchte nicht zuviel Zeit darauf verwenden,  weil dieser Aspekt allgemein bekannt ist. Obwohl ich eine Menge Literatur mitgebracht habe, möchte ich doch lieber eure Aufmerksamkeit auf einige besonders herausragende Punkte lenken. 

Vergiss nicht: Wann und wo immer wir zu Ehren Gottes bhajans singen, da lässt Er Sich bei uns nieder. Deshalb gibt es auf der ganzen Welt bhajans. Deshalb spielen die Menschen, wenn sie lange Fahrten vor sich haben oder ins Büro fahren, auf ihren Kassettenrekordern bhajans. Es gibt auch Menschen,  die ihre Baba bhajan -Kassetten zu Hause abspielen. Alle Welt hört bhajans. Warum? „Überall da, wo zu Meinem Ruhm gesungen wird, lasse Ich Mich nieder,“ das ist das Versprechen Gottes. 

Musik und Schwingungen sind ganz wundervolle Helfer bei Depressionen, wenn wir frustriert sind, wenn wir in Hochstimmung sind, jubeln, glücklich sind, in Freude und in Schmerz, - dann sollen wir sie willkommen heißen. 

Mad bhakthi: Mein  devotee; yatha: wo auch immer; gayanthi: er singt;  patra: dort; thistha: lasse Ich Mich nieder. Das bedeutet: „Ich lasse Mich dort nieder, wo Mein devotee zu Meinem Ruhm singt.“ 

Es sollte vom Herzen kommen

Außerdem sollte es vom Herzen kommen, wenn bhajans gesungen werden, - das heißt aus der Tiefe des Gefühls. Bei uns ist es eher so, dass wir uns danach richten, wie der Rhytmus ist, der Takt und der Vorsänger.  Da gibt es Leute, die sagen: “Wer singt denn heute vor?“ Hey, warum macht ihr euch die Mühe überhaupt hinzugehen?  (Lachen). Warum? Jeder kann singen. Wenn ich mich an dem Vorsänger störe,  dann ist das Ziel verfehlt. Wenn ich mich nur auf die Trommeln konzentriere, kann es passieren, dass ich in meinem nächsten Leben als Trommel auf die Welt komme! (Lachen). Oder als Harmonium, wenn mich nur das Harmonium fesselt. 

Das Gefühl ist also wichtiger als der Takt, als die Melodie, weil ihr ungeachtet des Vorsängers im Singen aufgeht. Ihr seid gar nicht mehr vorhanden. Es werden verschiedene Noten gesungen. Es gibt einen Unterschied zwischen einer Note und einer anderen. Das ist offensichtlich für Leute, die sich mit Musik auskennen und sich darüber völlig klar sind. Und zwischen einer Note und der nächsten gibt es einen Zwischenraum. Da gibt es eine Lücke, in der die wahre Erfahrung zu finden ist. Diese Erfahrung liegt zwischen den einzelnen Noten der Musik, es ist so wie ‚zwischen den Zeilen lesen‘, in diesem Zauber der Stille zwischen zwei Noten liegt der Zustand der Glückseligkeit. Dort  liegt der Leerraum, die Lücke, wo ihr Göttlichkeit erfahrt. 

Der Musik zu lauschen ist also keine einfache Sache. Singen ebenso wenig. Singen ist eine Gottesgabe. Musik ist eine Gottesgabe, und diejenigen, die zuhören, sind ebenso beschenkt. Zuhören ist eine Kunst, - singen ist eine Kunst. In einem Chor mitzusingen oder ihm zuzuhören ist eine noch größere Kunst. Eins mit ihm zu sein, - sich mit ihm zu identifizieren, - einen Zustand völliger Selbstvergessenheit zu erreichen, - das ist das Höchste, das Größte. Dann ist  das Ziel der Musik erreicht. Wenn ich auf meine Uhr sehe und sage mir: „Ein Lied noch?“, dann sollte ich lieber gleich aufhören. Wenn  ihr aber  Raum und Zeit vergesst, auch den Vorsänger, wenn ihr einfach selbstvergessen mit einstimmt, - dann ist das Ziel, der ureigenste Grund der Musik verwirklicht. So geht das. Dann hat die Musik die ihr eigenen Schwingungen. 

Einige Lieder, mit denen so viele von euch nicht vertraut sind, habe ich gar nicht erst hier an die Tafel geschrieben. Es gibt aber, wie ihr wisst, Lieder, die Regen garantieren, wenn sie in einer bestimmten Melodie gesungen werden. Oder Freude, Glück. Es gibt Lieder, deren Melodie oder festgesetzte Tonfolge heilend wirkt. Stellt euch vor - heilend! Manche sind vorbeugend, schützend, manche Glückseligkeit spendend. Wieder andere lassen euch weltliche Freude spüren. Musik ist Göttlich. Ich könnte noch lange über dieses Thema sprechen! 

Der Schrei eines Babys

 Nun stellt euch den Schrei eines Babys  vor,  der vom Herzen kommt. Das Baby in der Wiege fängt an zu schreien. Die Mutter, die es hört, läuft sofort zu ihm hin, weil sie weiß, dass es Zeit zum Füttern ist. „Da stimmt etwas nicht; ich muss meinem Kind helfen!“ Die Mutter denkt niemals: „In welcher Tonart  schreit mein Kind? Ist der Takt richtig oder nicht? Schreit das zweite Kind in der gleichen perfekten Melodie wie das älteste?“ (Lachen) Solche Überlegungen gibt es nicht! Ein Schrei ist genug.

Musik ist also ein Ausdruck menschlicher Ekstase, menschlicher Qual. Sie ist  eine Äußerung menschlicher Gefühle und Regungen, - ein ozeanischer Pegelstand‘. Ozeanisch  -  ich benutze absichtlich dieses Wort -. Es bedeutet den Ozean betreffend, so unermesslich, so unendlich  wie der Ozean. Musik ist ein ‚ozeanischer‘ Ausdruck menschlicher Gefühle. Ihre Schwingungen beeinflussen natürlicherweise die gesamte Atmosphäre. Wenn ein Sänger singt, ist er nicht nur ekstatisch. Er wirkt damit auf die gesamte Umgebung. Er überträgt die Schwingungen auf die Atmosphäre. Es ist so wie der Schrei eines Babys, der vom Herzen kommt. Er ist so echt  -  kein Lippenbekenntnis. 

Und dann ist noch zu sagen: Der Name, - nama – ist größer als die Person, - nami. Wir haben hier heute  Jesus Christus nicht in Seiner physischen Form unter uns. Auch Lord Rama nicht und nicht Lord Krishna. Kein Gott irgendeiner Religion ist in Seiner physischen Form hier unter uns. Es gibt nur einen Gott, aber ich verwende das Wort ‚Götter‘ wegen all der Religionen, die hier vertreten sind. Es gibt nur einen Gott, Rama, Krishna oder Jesus sind jedoch nicht hier in Ihrer physischen Form. 

Aber wenn ihr betet: „Vater unser, der Du bist im Himmel, geheiligt werde Dein Name, Dein Reich komme, ...“ ja, dann kommt Gott euch sofort zu Hilfe. Wenn ihr sagt: „Oh Rama, oh Krishna, dies ist mein Problem“, schon sind Sie da, ja, mit aller Spontaneität, aller Frische und Bereitschaft euch zu helfen. Die physische Form ist überhaupt nicht wichtig. Mehr als die Person ist der Name von Bedeutung. Bhajans sind also höhergestellt. Wann immer ihr singt, - ja, dann werdet ihr Gott vor euch manifestiert sehen. Nama, - der Name – ist größer als nami, - die Person. 

Gott erwartet euch zur festgesetzten Stunde

Ferner gibt es für die bhajans vorgeschriebene Zeiten, -- 6:30 bis 7:30? Nein, nein, nein, nein!  Die festgesetzte Zeit ist eine Verabredung mit Gott. Gesetzt den Fall ihr habt einen Termin mit eurem Chef. Ihr sollt euch um 8 Uhr morgen früh in seinem Büro mit ihm treffen. Geht ihr nicht hin, verpasst ihr euren Termin! Der Chef erwartet euch zur festgesetzten Stunde.  

Ebenso erwartet Gott euch zur festgesetzten Stunde. Versäumt niemals einen Termin mit Gott. Eure tägliche Meditation, eure täglichen Gebete, eure Andacht, was immer es ist, ihr solltet niemals einen Termin mit Gott versäumen! 

Bhagawan gab dafür ein Beispiel: „Wenn ihr anfangt, einen Hund um 12 Uhr mittags zu füttern, wird der Hund regelmäßig um 12 Uhr da sein. Wenn der Hund so pünktlich ist, warum dann nicht auch Gott?“ Genau das sagte Baba. (Lachen). „Verpasst also nie eine Verabredung mit Gott.“

Und außerdem: Um effizienter zu sein bei der Arbeit,  dynamischer, begeisterter, eifriger (nicht eifersüchtiger!), lasst uns bei der Arbeit singen. Das bedeutet nicht, dass ihr alle Welt mit eurem Gesang stören sollt, nein, nein, nein, nein! Ihr könnt Seinen Namen ganz leise in eurem Inneren singen. Genauso wir ihr unmerklich atmet, so sollte es auch sein, wenn ihr den Namen Gottes singt – um effizient und erfolgreich im Leben zu sein.

Das ist damit gemeint, als Bhagawan sagte: „Kopf im Wald, Hände in der Gesellschaft.“ Das heißt nicht, ich soll meinen Kopf abtrennen, in den Wald bringen und  mit den Händen in aller Öffentlichkeit  weiterarbeiten, - um dann auch noch zu sagen, ich würde den Lehren Babas auf das Genaueste folgen. (Lachen) Das ist nicht mit ‚Kopf im Wald‘ gemeint. Gemeint ist, dass man mit all seinen Gedanken immer und immer auf Gott gerichtet sein soll. ‚Hände in der Gesellschaft‘  heißt, seiner Pflicht, seiner täglichen Verantwortung nachzukommen. Beides sollte Hand in Hand gehen. Das waren Bhagawans Worte. 

Was immer du tust, sing‘ Bhajans

 Es ist ganz gleich, welche Arbeit ihr tut, ihr solltet singen. Geht mal in die Kantine, - dort findet ihr viele Frauen, die bei der Arbeit bhajans singen. Auch in der Bäckerei singen die Leute bei der Arbeit bhajans. Geht in die Unterkünfte der Jungen, ihr werdet sie bei der Arbeit finden und bhajans hören. Arbeit und bhajans gehören zusammen. Es ist keine Art von Einteilung noch Zuteilung der Zeit für bhajans , sondern die bhajans haben ihren bestimmten Platz.

Wir sollten auch wissen, dass bhajans, Musik und Schwingungen das einzig mögliche Mittel gegen die Verunreinigung der Atmosphäre mit Geräuschen ist. Die gesamte Atmosphäre ist von Lärm erfüllt. Wenn wir aber singen, werden  uns Krach und Verschmutzung niemals stören. Sie werden keinen Einfluss auf uns nehmen.

Lasst uns für ein Beispiel unserer fünf Finger nehmen:  

Als erstes der Daumen – ihr betet für die Menschen, die eurem Herzen am nächsten sind. Zweitens der Zeigefinger – ihr betet für alle eure Lehrer, für alle, die euch unterwiesen haben, für alle eure Ärzte, für alle, die heilen, lehren, unterweisen. Soweit der Zeigefinger. Nun kommt, drittens, der längste Finger, der Mittelfinger  -  ihr betet für eure Führer, für Geschäftsleute, für alle Industriellen, weil der Wohlstand des Landes von der Ökonomie abhängt. Also betet ihr für sie. Dann kommt der Ringfinger – ihr betet für die Schwachen, für die  Menschen, die Schmerzen haben, die Geplagten, Unterdrückten. Und zuletzt der kleine Finger – ihr betet für euch selbst. Ihr kommt zuletzt. An Hand der fünf Finger wird uns die Methode erklärt, wie wir beten sollten – die Gebetsmethode, die man im Kopf behalten sollte. 

Acht Arten von Gurus (Lehrer)

Weil Guru Purnima schnell näher kommt,  - es ist am 24. Juli – denke ich nicht, dass wir uns in der nächsten Woche noch einmal sehen. Wenn es doch möglich sein sollte, habe ich Glück gehabt. Ich weiß nicht, wie es bei euch ist, aber ich würde mich freuen, wenn sich noch ein wenig Zeit für eine Sitzung finden würde. Ich glaube jedoch nicht daran.

Ich wünsche euch ein wunderschönes Guru Purnima. Guru Purnima ist ein Fest, das uns hilft, unseren Lehrern  (Gurus), unseren Meistern  unsere Dankbarkeit auszudrücken. Laut Bhagawan Baba gibt es acht Arten von Lehrern. Und da es so aussieht, als werde nichts aus unserem Treffen in der nächsten Woche, will ich euch eine kurze Erklärung dieses Festes geben. 

Es gibt acht Arten von Lehrern. Welche sind das? Der erste ist der bodha guru, das bedeutet ‚der, der die heiligen Texte vermittelt. Bodha heiß lehren. Er lehrt alle Texte, nicht mehr.  Der zweite Lehrer ist der Veda guru. Dieser lehrt die Veden, die heiligen Texte. Der dritte ist der Nishidha guru. Er bringt euch bei, wie die yagas, -Opferzeremonien zelebriert werden, die spirituellen Riten, - yajnas. Er kennt sich in den Ritualen aus. 

Die vierte Art von Lehrer ist der Kamya guru. Er wird euch sagen: „Tut dies oder jenes, so dass es für euch verdienstvoll oder punya ist. Vollbringt tugendhafte Taten. Seid Menschen, die Gutes tun, sündigt niemals.“ Der Kanya guru lehrt euch, wie ihr es anstellen sollt, Verdienstvolles zu tun. 

Die fünfte Art ist der  Vachaka guru. Vachaka guru weist euch in die Yogaübungen ein. Yoga stellt eine Verbindung mit Gott her. Der sechste, der Suchika guru lehrt euch eure Sinne zu beherrschen. Der siebte ist der Karana guru. Er unterrichtet euch über das Bindeglied zwischen dem Individuum und Gott, - zwischen jivatma, der individuellen Seele und Paramatma, der Kosmischen Seele. Der achte Guru ist der Vihita guru. Er ist es, der alle Zweifel ausräumt und unseren Geist reinigt.

Das also sind die acht Arten von Gurus, wie Bhagawan Baba sie uns vorgestellt hat.  Guru Purnima ist die Gelegenheit, aus tiefstem Herzen unsere Dankbarkeit diesen Gurus gegenüber Ausdruck zu verleihen, -  verbunden mit dem Versprechen an die heiligen Lehren festzuhalten, die sie uns gelehrt haben. Außerdem können wir uns glücklich preisen, weil wir so begünstigt sind, in der physischen Gegenwart des Göttlichen Bhagawan Baba den heiligen Tag zu begehen.

Gott selbst ist der Guru (Lehrer)

Guru Purnima ist ein sehr wichtiges, heiliges Fest. Aber was ist ein Guru? Ein Guru ist nicht einfach ein menschliches Wesen. Er erscheint nicht immer in physischer Form vor euch. Bhagawan Baba Selbst ist ein Guru. Gott Selbst ist ein Guru. Wir können uns so glücklich schätzen, weil wir Gott als unseren Guru haben. Gott ist hier als Derjenige, der uns alle bei Sich aufnimmt.  Er ist der Weg. Er ist das Leben. Er ist  die Wahrheit. Bhagawan Baba ist  der Weg. Bhagawan Baba ist die Wahrheit und Bhagawan Baba ist das Leben. Er ist unser Guru und Er nimmt uns an der Hand auf dem Weg zu Sich Selbst. 

Wie herrlich! Er ist das Ziel und Er ist der Regisseur. Er ist der, zu dem wir unterwegs sind, Er ist der Lehrer. Er nimmt uns alle an, - ergreift unsere Hand, lässt uns niemals mittendrin fallen und er führt uns zu Sich. Das ist für uns der größte Glücksfall. 

Wer ist also nun der Guru? Gott Selbst ist es. Er hat all die Qualitäten, die ich euch hier an die Tafel geschrieben habe und die ich euch so kurz als möglich in der wenigen Zeit, die uns noch bleibt, nahe bringen möchte. Ich weiß, die Zeit ist um, aber lasst  mich dieses Morgengespräch mit einer Zeremonie beschließen.

Die Merkmale Gottes

Das erste Merkmal Gottes, der als Guru dient, ist dies:  Brahmanandam. Das ist transzendentale Glückseligkeit. Es ist nichts Weltliches. Wir können es nicht erfahren. Es ist transzendentale Glückseligkeit,  Brahmanandam – das ist der Charakter Gottes, der ein Guru ist. 

Das zweite ist Parama Sukhadam, das heißt höchstes Entzücken, ein Maximum an Glücksgefühl, etwas, das ihr niemals zuvor empfunden habt – erhabene Wonne,  Parama Sukhadam. Das alles ist Gott, Er selbst.  

Das dritte ist Kevalam. Das heißt das Allerhöchste. Gott  ist der Allerhöchste, Endgültige. Nach Ihm kommt nichts mehr. Wenn ihr ein Ticket nach New York kauft, landet ihr nicht in Frankfurt  um dann dort zu bleiben. Auch nicht in London, Heathrow um euch dort niederzulassen. Wenn ihr das Ticket habt, reist ihr weiter bis New York, - das ist die Endstation. Ebenso ist Gott das die Endstation, das endgültige Ziel, - Kevalam.

Dann kommt noch ein Aspekt: Jnana Murthim. Er ist die personifizierte Weisheit. Wenn wir Bhagawan zuhören, sollten wir so eifrig, so aufmerksam sein; so konzentriert sollten wir sein, als sammelten wir die kostbarsten Perlen der Weisheit. Wir sollten nicht unseren Geist auf Wanderschaft schicken und nur körperlich anwesend sein, wenn wir Ihm zuhören. Körperlich und geistig sollten wir da sein und jedes Wort mit verzückter Aufmerksamkeit in uns aufnehmen. Weil Er nämlich Jnana Murthim ist, die Weisheit in Person. 

Dwandwatitam: Gott ist nicht-dual, Er ist nicht Zwei, Er ist ohne eine Zweiten. Er ist jenseits des Zustands der Dualität. Freude oder Schmerz berühren Ihn nicht. Dann kommt  Gagana Sadrishyam, was bedeutet: Gott ist Raum. Es ist Raum in meinem Körper, wo die einzelnen Organe sind. Ich bin kein Fels, nein, nein! Es gibt Raum, in dem die verschiedenen Teile meines Körpers sich befinden. Es gibt  Raum, in dem die vielen Planeten sich bewegen. Gott ist dieser Raum, - Gagana Sadrishyam. 

Dann folgt Tatwamasyadhi Lakshyma. Er ist das Ziel. Er ist der Endpunkt aller Bemühungen. Er ist die Bedeutung unseres Lebens.  Ekam, Gott ist der Einzige ohne einen Zweiten. Dann kommt  Nithyam, was bedeutet: Gott ist ewig, unwandelbar. Vimalam, Er ist makellos und rein, kristallklar. Das ist das Merkmal Gottes. Achalam – Er ist unveränderbar, ohne Regung. 

Sarvadhi sakshi bhutam: Gott ist der ewige Zeuge, ebenso wie diese Lampe ein Zeuge ist. Sie bleibt unberührt von allem, was um sie herum geschieht. Ob nun 200 Menschen oder nur 10 da sind, die Intensität ihres Lichtes bleibt die gleiche. Das nennen wir Sarvadhi sakshi bhutam. Bhavatitam heißt: Er trägt das gesprochene Wort, alles geistige Verständnis von einem in einen anderen Bereich. Er ist jenseits unseres Verstehens und jenseits aller Beschreibung. Und schließlich ist Er Trigunatitam: Jenseits aller drei Attribute.

Ein verliehenes Vorrecht, das nicht erarbeitet ist

Liebe Brüder und Schwestern!

Wir wissen nicht, welche verdienstvollen Dinge wir in der Vergangenheit getan haben, aber eins ist sicher: Wir sind einmalig vom Glück begünstigt, extrem beschenkt, weil wir in dieser Zeit geboren sind und Bhagawan Baba kennen. Wir dürfen in Seiner Nähe sein, anwesend sein in dieser Zeit, wenn Guru Purnima sich nähert. Warum? Weil wir den Guru in Ihm sehen und gleichzeitig Gott, da Er beides ist. Er ist der Weg und ebenso das Ziel. 

Bhagawan Baba ist ein Lehrer wie Jesus Christus. Er ist ein Ideal wie Rama, Er ist voller Wunder wie Krishna. Er hat eine Form und gleichzeitig ist Er formlos. Er hat Attribute und Er ist jenseits aller Attribute. Er ist unser  größter Glücksfall. 

Wir sehen Ihn, wir sprechen mit Ihm und wir hören Ihm zu. Zu beurteilen, ob wir das verdient haben oder nicht, steht mir nicht zu. Mein bescheidenes Gefühl sagt mir, dass es ein großes Privileg ist, -mehr oder weniger verliehen, für das wir nichts getan haben. Das ist mein Gefühl.  

Möge Bhagawan euch segnen an diesem heiligen Fest  Guru Purnima.

 

 

Möge Bhagawan euch segnen an diesem heiligen Fest Guru Purnima.

Möge Er bei euch sein für immer in aller Ewigkeit

Sai Ram!

 

(Anil Kumar schloss das Treffen mit dem bhajan  'Jaya Siva Sankara...)

 

Vielen herzlichen Dank!

 

Om Asato Maa Sad Gamaya

Tamaso Maa Jyotir Gamaya

Mrtyormaa Amrtam Gamaya

 

Om Loka Samastha Sukhino Bhavantu

Loka Samastha Sukhino Bhavantu

Loka Samastha Sukhino Bhavantu

 

Om Shanti Shanti Shanti

 

Jai Bolo Bhagavan Sri Sathya Sai Baba Ji Ki Jai!

Jai Bolo Bhagavan Sri Sathya Sai Baba Ji Ki Jai!

Jai Bolo Bhagavan Sri Sathya Sai Baba Ji Ki Jai!

 

Danke!