04. März 2001

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Sai Ram  

Liebe Brüder und Schwestern,

vorgestern rief Bhagavân ganz überraschend drei junge Männer zu sich. Ihr habt es bestimmt gesehen. Ich glaube, einer ist Ingenieur, ein anderer arbeitet an der Universität und der dritte ist Geschäftsmann. Sie sind noch ziemlich jung, 20, 22, 23 Jahre. Sie gingen zu Bhagavân und nahmen Padnamaskar. Sie kommen aus Mexiko.

Ich sagte: "Swami, Indira Devi stammt aus Mexiko, wenn ich mich nicht irre?"

Bhagavân sagte: "Ja, sie stammt aus Mexiko und lebt nicht mehr."

Dann sagte ich: "Die Frau von John Hislop stammt auch aus Mexiko, richtig?"

Bhagavân sagte: "Ja. Amerika und Mexiko sind Nachbarländer. Sie stammt aus Mexiko."

Das sagte Er.

Er sprach mit diesen Jungen: "Warum seid ihr hier?"

"Swami, wir sind Deinetwegen gekommen."

"Und wo werdet ihr sein?"

"Wo immer Du bist."

"Was wollt ihr?"

"Wir wollen Dich."

Beachtet diese Antwort! "Wir wollen Dich." Sie sind in dem Alter, wo wir alle wissen, was sie normalerweise wollen! Aber sie sagen: "Wir wollen Dich und nichts anderes. Nur Dich."

Bhagavân sagte: "Warum seid ihr hier? Wie lange bleibt ihr hier?"

Sie antworteten: "Bis ungefähr 25. April. Wir wollen die Ferien mit Dir verbringen."

Dann drehte Bhagavân sich zu uns um und sagte: "Das ist Hingabe!" Jawohl!

Später rief er drei andere Jugendliche zu sich, einen Professor, einen Arzt... Er fragte sie: "Woher kommt ihr?"

"Aus Venezuela."

"Oh, ich sehe. Ich werde euch morgen rufen. Ich werde mit euch sprechen. Wieviele seid ihr in der Gruppe?"

Sie sagten: "Wir sind sieben."

"Ich werde euch morgen rufen!"

Sie waren so glücklich!

Nachdem sie gegangen waren, machte Swami eine wichtige Aussage, die ich zum Thema dieses Morgens machen möchte. Was sagte Er? "Sie sind immer glücklich. Ich sehe ihre lächelnden Gesichter. Sie sind außerordentliche glücklich." Das ist Punkt eins.

Punkt zwei: "Diese Leute kommen von weither angereist. Sie wollen ihre Zeit nicht verschwenden. Sie finden sich in kleinen Gruppen zusammen und üben Bhajans. Sie tauschen ihre Erfahrungen mit Sai untereinander aus. Sie machen aus jeder Sekunde ihres Aufenthaltes hier das Beste."

Das sagte Bhagavân, nachdem Er zu den Jugendlichen aus Mexiko und Venezuela gesprochen hatte.

Ich verstehe es so: Swami will, dass wir glücklich sind. Am Ende Seiner Unterhaltung sagte Er: "Happy, happy, happy (glücklich)." In einer Seiner Reden sagt Er dreimal das Wort "happy" - glücklich. Er will, dass jeder glücklich ist.

 

Vor vielen Jahren rügte Er mich einmal in Bangalore (Brindavan) für einen Fehler, den ich bei der Leitung des Colleges gemacht hatte. Es war etwas schief gelaufen. Er zeigte mir das andere Gesicht von Bhagavân, das so ernst und heiß ist, heißer als der heißeste Sommer, brennend heiß!

Am selben Abend bat Er mich aufzustehen und zu übersetzen. Dazu war ich überhaupt nicht bereit, denn meine Laune war völlig aus dem Gleichgewicht geraten. Ich hatte nicht die geringste Lust, überhaupt etwas zu tun. Auch während Darshan saß ich mit einem langen Gesicht da, weil ich das alles nur schwer verkraften konnte. Aber Er bat mich aufzustehen und dann hielt Er Seine Rede.

Was sagte Er? "Gott ist Glückseligkeit. Glückseligkeit ist Gott. Lebt in Glückseligkeit!"

Als nächstes: "Gott schaut die nicht an, die ernst herumsitzen. Gott sieht nicht die an, die mit langen Shakespeare-Gesichtern heulen. Gott will, dass jeder froh ist!"

Ich tat meine Arbeit wie eine Maschine, aber innerlich dachte ich: "Bhagavân!! Musst Du so eine Rede halten? Du kannst mir auch privat sagen, dass ich die Dinge nicht so ernst nehmen soll, sondern leichter, dass ich meinen Fehler erkennen und korrigieren muss und dennoch weiterhin glücklich bin. Aber Du hast beschlossen, eine Rede zu halten." Das war eine Begebenheit, die mich begreifen ließ, dass Er uns glücklich sehen will.

 

Gott ist Glückseligkeit, Glückseligkeit ist Gott. Was ist Glückseligkeit? Wie weit sind wir von dieser Glückseligkeit entfernt? Warum sind wir nicht glückselig? Lasst uns heute morgen einige dieser Aspekte näher betrachten. Erfreuen wir uns wirklich des Zustands der Glückseligkeit? Bevor wir nicht wissen, was Glückseligkeit ist, können wir nicht sagen, ob wir glückselig sind oder uns scheußlich fühlen. Was ist dieser Zustand der Glückseligkeit? Wie wird man glückselig? Was ist Glückseligkeit? Das müssen wir begreifen und heute morgen gemeinsam ergründen.

 

Wir sind ohne Zweifel glücklich und gelegentlich auch mal unglücklich. Aber wir erinnern uns nur der unglücklichen Augenblicke und vergessen die Zeiten des Glücks. Auf die Frage: "Wie geht es dir?" antworten wir sofort: "Oh, so lala." "Und wie geht es dir?" "Na, es geht so." Und dir?" "Ich schleppe mich so dahin." Das sind wirklich abscheuliche Antworten, die wir zu keiner Zeit, in keinem Alter von uns geben sollten.

"Wie geht es dir?" "Sehr gut! Fein! Wunderbar!" Das sollten wir als Sai-Devotees sagen. "Wie geht es dir?" "Wunderbar!" Ja, warum nicht! Im Leben gibt es, wie Bhagavân sagt, viele, viele Momente der Freude und des Glücks. Die problemreichen Augenblicke machen nur ein paar Sekunden des Unglücklichseins aus wie z.B. ein paar Tage krank sein. An den meisten Tagen sind wir glücklich.

Bhagavân gab ein Beispiel: Eines Tages servierte eine Frau ihrem Mann das Mittagessen, bestehend aus Reis und anderen Gerichten. Während des Essens schrie der Mann seine Frau plötzlich an: "Was ist das? Weißt Du nicht, wie man Reis kocht?" Sie fragte: "Was ist los?" "Ich habe einen kleinen Stein im Reis gefunden." Sie konterte: "Du isst schon all die Jahre, was ich koche und es war immer in Ordnung und nun machst du wegen so eines kleinen Steinchens so ein Theater." Das gab Bhagavân als Beispiel.

 

Wir sind so ungehalten über eine unangenehme Sache im Leben und vergessen die anderen 99 Dinge, die uns glücklich machten - Gottes Segen. Viele Dinge geschehen aufgrund des Schicksals. Gott hat uns mit 99% Glück gesegnet und mit einem Prozent "Steinchen". Und dennoch behindern wir uns selbst und halten an dem Üblen, das uns widerfuhr, fest und vergessen die restlichen 99%. Das nennt man "das Schicksal auf die Probe stellen". Wir sollten niemals das Schicksal auf die Probe stellen. Die meisten unserer Tage verlaufen glücklich. Wenn ihr in diesem langen Leben einmal die schlechten Tage zusammenzählt, werdet ihr feststellen, dass ihr nur 15 Tage krank im Bett liegen musstet, oder vielleicht sogar nur zwei oder drei Tage in 60 oder 70 Jahren.

Ein Weg glücklich zu sein ist es, Gottes zahlreiche Segnungen zu zählen und immer an seine Segnungen zu denken. "Swami, Du hast mir so geholfen! Du hast meine Familie gesegnet. "Wir sind Dir dankbar!" Dankbarkeit wird uns immer glücklich sein lassen.

So, meine Freunde, lasst uns lernen, dankbar zu sein. Lasst uns lernen, Gott zu jeder Zeit dankbar zu sein.

 

Vor ein paar Tagen begann ein Junge zu weinen. Swami ging zu ihm und sagte: "Warum weinst du?"

"Swami, ich weine, weil Du nicht mit mir sprichst."

Dann sagte Er: "Und was ist mit all den Tausenden von Leuten hier? Die weinen nicht. Du verdienst es zu weinen. Weine weiter! Denn du bist glücklich, wenn du weinst. In Ordnung."

Aber so ist das nicht. Wenn wir gekränkt sind, wenn Swami nicht mit uns spricht und dann weinen - wenn wir weinen, weil Swami uns nicht ansieht, dann versteht ihr - so sagte Er - Gott nicht richtig.

Ich werde euch ein Beispiel geben. Vor vielen Jahren wollte Swami, dass meine Mutter am Sommerkurs teilnahm; ich glaube es war 1990. Was Zahlen angeht, habe ich kein gutes Gedächtnis. Ich erinnere mich an Ereignisse, Swamis Reden und Illustrationen, aber nicht an Jahreszahlen. Gott entzieht den Leuten absichtlich gewissen Fähigkeiten und Talente. Ja, das wurde mir entzogen, vielleicht zu eurem Besten, denn wenn ich Statistiken von mir geben würde, wäre ich für eure Kopfschmerzen verantwortlich!

Er wollte also, dass meine Mutter am Sommerkurs in Brindavan teilnimmt. Ich wollte nicht, dass sie kommt, auch wenn Swami es so wollte. Ich wollte sie nicht hier haben. Warum? Sie war schon über 50 und herzkrank. Sie muss jeden Tag unter ärztlicher Aufsicht sein und sie konsultiert nur einen bestimmten Arzt aus Kanada. Sie geht nur zu ihm. Wegen ihrer Herzprobleme ist sie sehr misstrauisch geworden. Sie würde plötzlich sagen: "Ich habe Herzflattern! Was soll ich tun? Ich kann doch jetzt den Arzt aus Kanada nicht den ganzen Weg kommen lassen. Unmöglich." In der Tiefe meines Herzens wollte ich sie also nicht hier haben. Aber Baba sagte: "Lass sie herkommen!" Was soll ich da machen? Zwei Tage vor Beginn des Sommerkurses sagte Er: "Wann kommt sie?" Ich antwortete sofort: "Swami!" Glücklicherweise blättere ich jeden Tag die Tageszeitungen durch und so kam mir ein Zwischenfall zu Hilfe, über den ich gelesen hatte. Als Entschuldigung sagte ich: "Swami! Es gibt Unruhen. Züge und Busse verkehren nicht regelmässig. Irgendein Streik oder so etwas ähnliches. Ich glaube nicht, dass sie kommen kann."

Ich dachte, ein erfolgreicher Meister des Bluffs zu sein. Wisst ihr, was Er sagte? "Warum sagst du das?" Dann erwähnte er einen Mann namens Sita Ramayya, der für die Straßentransport-Gesellschaft arbeitet. Swami sagte: "Ich habe Sita Ramayya gesehen. Er sitzt hier im Publikum  in der 55. Reihe! Ich habe ihn dort gesehen. Wenn er gekommen ist, wieso kann dann deine Mutter nicht auch kommen? Beide wohnen doch im selben Ort. Glaubst du, der Bus fährt nicht, wenn deine Mutter reisen soll, aber für Sita Ramayya fährt er? Hör auf, so zu bluffen!"

Jetzt war die Katze aus dem Sack! Auf frischer Tat ertappt! Irgendwie schaffte ich es dann doch, sie nach Brindavan zu bringen und sie nahm am Sommerkurs teil.

 

Nun, ich habe euch das erzählt, um euch zu zeigen, dass wir unglücklich sind, wenn gewisse Dinge entgegen unserem Willen oder unseren Präferenzen geschehen. Dann sind wir vom Glück abgeschnitten. Das Glücklichsein wird uns verweigert, insbesondere dann, wenn Dinge gegen unseren Willen geschehen. Dann sind wir unglücklich. Um glücklich zu sein, muss man also wunsch-los sein. Habt keine Präferenzen (Wünsche, Erwartungen).

 

Als ich noch in Bangalore war, verheiratete einmal ein Großindustrieller seine Tochter. Ich kenne ihn. Er hat das Sai Srinivas Guest House gebaut. Er ist sehr, sehr reich. Er verheiratete also seine Tochter und ich erhielt auch eine Einladung. Baba sollte ebenfalls hingehen und das Paar segnen. Ich war sicher, dass Er mich mitnehmen würde - ich war mir 100% sicher!  Die Hochzeit sollte morgens um 9:30 Uhr stattfinden. Ich machte mich also fertig, neuer Anzug usw. Es würden viele Würdenträger, Minister usw. teilnehmen; da konnte ich nicht im einfachen Anzug erscheinen. Ich hatte mich also besonders fein gemacht. Jawohl! Da stand ich nun, fein gestriegelt - aber Swamis Wagen fuhr durch die Menge an mir vorbei! Er hielt nicht an. Er fragte mich nicht: "Warum kommst du nicht mit?" Er sagte nicht: "Steig ein!" oder "Steig in den nächsten Wagen." Er sagte nichts dergleichen. Der Zug war abgefahren. Dann verstand ich: "Ich sollte nicht dorthin gehen." Ich zog stillschweigend meinen normalen Anzug an, ging zum College und nachmittags zum Darshan.

Swami sagte: "Warum hast du nicht der Hochzeit heute morgen beigewohnt?" Was sollte ich darauf antworten? Ich sagte: "Ich musste Unterricht geben, Swami. Deshalb konnte ich nicht kommen."

"Was für ein Meister des Bluffs du doch bist. Du standest doch in deinem neuen Anzug bereit, oder? Und hast erwartet, dass Ich dich mitehme. Und nun behauptest du, du hättest Unterricht geben müssen und deshalb nicht teilnehmen können!"

"Ich musste Unterricht geben, Swami. Ich war bereit, damit ich nur in den Wagen zu springen brauchte und dann der Hochzeit beizuwohnen und mich nicht erst umziehen musste."

"In Ordnung, in Ordnung."

Diese Unterhaltung machte mich glücklich und ich konnte den Augenblick des Unglücklichseins vergessen. Ich war unglücklich gewesen, weil ich nicht in Swamis Gegenwart an dem Fest teilnehmen konnte. Aber als Sami so freundlich mit mir sprach, vergaß ich das alles.

Das ist nur ein kleines Erlebnis, um euch zu zeigen, dass, wenn man etwas erwartet, was dann nicht eintrifft, unglücklich wird. Um glücklich zu sein, müssen wir ohne Erwartungen und Wünsche sein. Lasst uns ohne jegliche Erwartungen sein, so dass alles geschehen kann und wir dennoch glücklich sind.

 

Eines Tages, hier in Puttaparthi, rief Er einen Studenten zu sich. Dieser kam dann zu mir und sagte: "Sir! Swami ruft Sie! Gehen Sie!" Nun, die Studenten sind ziemlich helle und intelligent. Ich fragte deshalb nicht weiter nach; es musste wohl stimmen, was der Junge gesagt hatte. Ich ging direkt zu Swami und schloss die Türe hinter mir.

Er sagte: "Was tust du hier?"

"Swami, Du hast mich gerufen?"

"Nein, nein! Ich habe dich nicht gerufen. Warum bist du hier?"

"Swami, wen immer Du gerufen haben magst, ich fühlte mich von Dir gerufen. Ich möchte und bete, dass Du mich rufen mögest."

Er sagte: "Oho!"

Dann sagte ich: "Da ich nun einmal hier bin, lass mich Padnamaskar nehmen, dann gehe ich. Ich bin den ganzen Weg gekommen, lass mich also Padnamaskar nehmen und wieder gehen."

Er sagte: "Oh! Pakka (perfekter) Geschäftsmann!"

Ich muss in der Lage sein, die Dinge nicht wie einen Schock zu empfangen. Alles, was wir im Leben als Schock empfangen, wird negative Auswirkungen haben und uns unser Glücklichsein nehmen. Lasst uns die Dinge stattdessen als Überraschung entgegennehmen. Ein Schock ist negativ, eine Überraschung positiv. Wenn wir die unangenehmen Dinge als Überraschung nehmen, können wir weiterhin glücklich sein.

Ich bringe meine eigenen Erfahrungen als Beispiel, damit wir gemeinsam lernen können.

 

Einmal sprach Er mit jedem, hier und dort. Mich ignorierte Er, als sei ich gar nicht existent, als sei da, wo ich bin, nur leerer Raum. Mit allen sprach Er. "Nun", dachte ich bei mir, "gut. Dann genieße ich eben eine Weile die Göttliche Romanze."

Abends sagte Er: "Wo warst du? Ich habe dich gesucht. Wo warst du?" Swami, sehr schön! Sollte ich sagen: "Swami, ich war da heute morgen"? Nein. Ich sagte: "Swami, ich bin glücklich, dass Du mich gesucht hast, dass Du nach mir verlangtest. Nun stehe ich zu Deiner Verfügung."

Meine Freunde, diese Haltung sollten wir haben - bereit sein, alles anzunehmen, was kommt; alles! Es ist nicht immer unbedingt das, was wir gerne möchten. Besonders Sai erfreut mehr durch Seine Überraschungen. Er wird dann nach euch fragen, wenn ihr frühstücken gegangen seid und nicht zur Verfügung steht. Dann fragt er`: "Wo ist er, wo ist er?" und wenn ihr dann genau vor Ihm sitzt, kümmert Er sich nicht um euch!

 

Als die Jungen sich eines Tages so elend fühlten, tröstete ich sie: "Macht euch keine Sorgen. Ich gebe euch ein Rezept, wie man dennoch glücklich ist."  "Sir, was ist das für ein Rezept?" "Wenn Swami nicht bei uns vorbeikommt, haben wir das Gefühl, er meidet uns, stimmt's? Wir denken: 'Normalerweise kommt Swami hier lang; heute hat Er das nicht getan, Er geht mir aus dem Weg!' Wir brauchen uns deshalb aber nicht elend zu fühlen. Warum? Um euch aus dem Weg gehen zu können, muss Er euch zuerst gesehen haben. Wie kann Er euch meiden, wenn Er euch nicht zuerst gesehen hat? Sagt also: 'O Herr, du hast mich zuerst gesehen und bist mir dann aus dem Weg gegangen. Ich bin gesegnet. Du hast mich also zuerst gesehen und hast mich dann gemieden, denn sonst wärest Du bei mir vorbeigekommen'." Das erzähle ich den Jungen immer.

Der zweite Fall: Nehmen wir an, Er sieht euch an und ruft euch zum Interview. Dann seid ihr gesegnet, weil Er euch ansah und auch suchte. In beiden Fällen musste Er euch notwendigerweise sehen. In beiden Fällen ist es euer Glück.

 

Eine solch positive Einstellung wird uns glücklich machen. Swami will, dass wir immerzu nur glücklich sind. Solch eine Haltung ist Spiritualität. Die richtige Einstellung dem Leben gegenüber ist Spiritualität. Alles andere sind Erwartungen; man erwartet eine Gegenleistung. Es ist wie eine geschäftliche Transaktion. Aber so ist das Leben nicht. Das Leben ist Religion, spirituell.

Wenn wir alles positiv nehmen, was ist dann Glückseligkeit? All die Augenblicke des Glücks, die kommen und gehen, die Momente der Freude, die jetzt da sind und gleich wieder vergehen, alle diese Augenblicke sind trivial, weltlich, physisch, dual, vorübergehend. Morgens bin ich glücklich, aber abends bin ich unglücklich. Glücklichsein ist also ein Intervall zwischen zwei Phasen des Unglücks. Wie Swami sagt: "Glück ist der Intervall zwischen zwei Leiden."

Das ist keine Glückseligkeit. Das, was kommt und geht, ist keine Glückseligkeit. Das ist nur Glück. Glück kommt und geht. Glück ist weltlich, wohingegen Glückseligkeit spirituell ist. Glück ist vorübergehend, Glückseligkeit ist dauerhaft. Glück ist menschlich. Glückseligkeit ist göttlich. Glück könnt ihr euch erarbeiten: Ihr arbeitet hart, lest viel, macht euer Examen und erhaltet hohe Auszeichnungen - und seid glücklich. Durch Bemühen könnt ihr glücklich werden. Aber Glückseligkeit kann durch keinerlei Bemühung erreicht werden. Glückseligkeit ist unser natürlicher Zustand, unser Geburtsrecht. Glückseligkeit ist natürlich. Sie kann nicht durch Bemühungen erlangt werden. Nein! Glückseligkeit ist unsere Natur; sie hat nichts mit Glück zu tun, das kommt und geht. Glück bezieht sich auf Statur, Würde, Qualifikation, Eigentum, Wohlstand usw. Glückseligkeit hat mit alledem nichts zu tun. Glückseligkeit ist ursprünglich. Wir wurden in Glückseligkeit geboren, leben in Glückseligkeit und werden in Glückseligkeit eingehen. Das ist die Doktrin, der philosophische Lehrsatz des sanâtana dharma (die ewige Ordnung, das ewige Gesetz); Glück ist nur weltlich.

Ich bin glücklich, wenn ich eine Tasse heißen Kaffee trinke. Ich bin unglücklich, wenn ich nicht morgens beim Aufstehen als allererstes eine Tasse Kaffee bekomme. Glückseligkeit ist nicht so - da ist es egal, ob ihr euren Kaffee bekommt oder nicht. Glückseligkeit ist immer in euch, mit euch, um euch herum, denn ihr selbst seid diese Glückseligkeit. Euer Selbst ist diese Glückseligkeit. Glückseligkeit ist spontan und natürlich.

 

Vor ein paar Tagen gab Bhagavân einige Beispiele hierzu. Glückseligkeit könnt ihr nicht durch die Sinne erlangen. Die Sinne und der Verstand (mind) werden euch niemals in den Zustand der Glückseligkeit versetzen. Das ist jenseits unseres Verstehens, jenseits unseres Denkens, jenseits unserer Neigungen, jenseits von Berühren, Sehen und Hören. Die fünf Sinne vermitteln keine Glückseligkeit. Wenn ich durch Musikhören glückselig werden könnte, müsste ich nur glückselig sein - bei 40 oder 25 Sendern, die vorzugsweise Pop- und Rockmusik spielen.

Ständiges Hören wird mich also nicht in den Zustand der Glückseligkeit versetzen. Wenn ich immer und immer wieder Musik höre, wird mir das eines Tages langweilig. "Ich mag es nicht mehr hören. Stop!" Das Glück, das ihr durch die Sinne erlangt, vergeht nach einer Weile, wenn man immer dasselbe tut.

Ich sehe mir z.B. regelmässig Kino- oder Fernsehfilme an und bin glücklich. Aber nachdem ich Tag und Nacht Filme angesehen habe, langweilt es mich nun. "Ich mag keine mehr sehen!" Ich bin also eine Weile lang glücklich dabei, und dann wird aus dem Glücklichsein ein Unglücklichsein.

Oder ich mag Süßigkeiten, Kuchen, Teilchen, besonders die aus der Ausländer-Kantine! Die italienischen Kuchen sind sehr gut. Ich weiß. Ich sollte so viele Kuchen essen wie möglich, zwei auf einmal. Essen braucht Zeit, aber Hinunterschlingen geht schnell. Ich bin glücklich, sie schmecken so gut. Dann der dritte Kuchen: "Nun ist es genug. Ich mag nicht mehr!" Warum? Weil alles, was durch die Sinne empfangen und erfahren wird, Glück vermittelt und deshalb auch die Quelle für Unglück ist!

 

Ich habe alle diese Beispiele aufgezählt, weil Bhagavân eine Aussage machte: "Die Sinne werden euch niemals Glückseligkeit vermitteln. Sie werden euch niemals in den Zustand der Glückseligkeit versetzen." Diese Beispiele waren notwendig, um Swamis Feststellung zu untermauern.

Der Verstand kann euch also nicht in Glückseligkeit versetzen. Warum nicht? Swami gab ein Beispiel. Ein Mädchen erhielt einen akademischen Grad. Unglücklicherweise sollte sie einen jungen Mann heiraten, der schon bei der Zwischenprüfung durchfiel. Er konnte keinen akademischen Grad erlangen, den er fiel 12 mal erfolgreich durch!

Diese graduierte Universitätsabsolventin musste also einen immatrikulierten Studenten heiraten. Der Junge war sehr glücklich. 'Meine Frau hat ihr Studium abgeschlossen.' Er war so glücklich, dass er während er Hochzeitsfeierlichkeiten, sehr zum Missfallen der Gäste, immer wieder zu ihr hinüberschaute. Nach der Hochzeit zog die junge Frau zu ihm. Der junge Mann saß im Lehnstuhl und rief seine Frau: "Hi! Bring mir eine Tasse heißen Kaffee." Sie sagte: "Tut mir leid! Geh du und mach Kaffee - zwei Tassen, eine für dich und eine für mich. OK?" Nun war der Bursche höchst unglücklich. Am Tag der Hochzeit war sie die Quelle seines Glücks, seines Paradieses gewesen. Nun, da sie bei ihm wohnte und sagte: "Sorry, mach du Kaffee für mich, OK?", dachte er: "Pfui! Sie muss ein Teufel sein. Ich will sie nicht." Dasselbe Mädchen ist in einem Augenblick die Quelle seines Glücks und im nächsten, die Ursache seines Unglücks.

 

Bei Glückseligkeit ist das nicht so. Da kann nicht jetzt etwas die Quelle der Glückseligkeit sein und später nicht mehr. Nein! Glückseligkeit ist von Dauer.

Wir alle kennen Bhagavâns Lieblingswort: C-I-A - Constant integrated awareness (ständiges integriertes Bewusstsein), nicht "Central Intellligence Service of America" (CIA). Glückseligkeit ist nichts anderes als ständiges, integriertes Bewusstsein. Es ist ein beständiger Faktor, nicht etwas, das kommt und wieder verschwindet. Es ist ständig mit uns.

Wir alle hoffen, glücklich zu sein. "He, wie geht es? Wie läuft alles?" "Ich hoffe, dass sich die Dinge eines Tages zum Positiven wenden und ich glücklich sein werde. Im Augenblick habe ich Probleme." Glück ist eine Hoffnung, eine Erwartung. Aber Glückseligkeit ist eine Garantie. Wir wollen glücklich sein, wir erwarten, glücklich zu werden. Doch wir wissen nicht wann und ob es eintreffen wird.

Das heranwachsende Kind will glücklich sein. Auch ein junger Mann, der aufs College geht, will glücklich sein. Später hofft er, glücklich zu sein, wenn er zur Universität gehen und seine Diplome machen kann. Als Student glaubt er glücklich zu werden, wenn er nach seinem Abschluss einen Job bekommt. Wenn er den Job hat, hofft er glücklich zu werden, wenn er heiratet. Wenn er dann verheiratet ist... - darüber sprechen wir besser nicht.

All das sagte Swami in einem Gedicht: Ein Kind glaubt als Erwachsener glücklich zu sein. Ein Erwachsener glaubt glücklich zu sein, wenn er seinen akademischen Grad erworben hat. Wenn er seinen akademischen Grad hat, glaubt er glücklich zu sein, wenn er heiratet. Es ist wie Fußball, den man immer weiter in entferntere Ecken kickt. Dieses Glück blieb immer nur eine Hoffnung, eine Erwartung, es wurde niemals zur Realität.

 

Glückseligkeit ist nicht so. Sie ist beständig. Glück lässt manchmal Langeweile aufkommen. Die modernen Leute von heute, wir alle, sind gelangweilt, insbesondere die Jugend. Sagt man ihnen: "Komm, setz dich für eine Weile hierher", antworten sie, "Sir! Das ist langweilig. Ich kann nicht warten." Überall wird über Langeweile geklagt; es ist ein Übel der modernen Zeit. Warum sind wir gelangweilt? Weil wir immer in der Zukunft leben wollen. Wir betrachten die Dinge immer aus Sicht der Vergangenheit und sehen den Dingen in der Zukunft entgegen. Wir leben nicht in der Gegenwart. Und weil wir nicht in der Gegenwart leben, ist das Leben langweilig.

Ein einfaches Beispiel: Wir leben in der Zukunft, d.h., wir warten. Wenn wir weiter warten und warten, wird das Leben langweilig. Ihr könnt nicht warten, das ist langweilig! Langeweile ist also nichts anderes als ein psychologisches Gefühl, eine psychologische Reaktion unseres Verstandes (mind), der in die Zukunft projiziert und dann in die Vergangenheit zurückkehrt. Vergangenheit und Zukunft sind also für die gegenwärtige Langeweile verantwortlich.

Wenn ihr jedoch in der Gegenwart lebt, gibt es keine Langeweile. Das Geheimnis des Glücks besteht darin, in der Gegenwart zu leben. Lasst uns in der Gegenwart leben, lasst uns den Augenblick leben.

Leben ist Existenz. Wenn wir erkennen, dass Leben Existenz oder existentiell ist, dass Leben in diesem Augenblick stattfindet, dann sind wir glückselig. Aber wir blicken immer in die Zukunft und lassen alles zu einer Hoffnung, einer Erwartung werden - und langweilen uns.

Nehmen wir an, ich treffe einen Freund. Ich treffe den Freund jetzt. Aber ich denke an die Vergangenheit und kann mich seiner Gesellschaft jetzt nicht erfreuen. In der Vergangenheit wohnten wir zusammen und hatten viele, viele Auseinandersetzungen und haben uns bekämpft. Und nun treffen wir uns nach langer Zeit wieder. Aber anstatt zu sagen: "Hi! Nett dich wiederzusehen nach so langer Zeit. Ich bin so glücklich, dich wiederzusehen!", denke ich an die Vergangenheit und die vielen Auseinandersetzungen und Zwistigkeiten - und bin nicht glücklich. Ich sage halbherzig: "Oh, wie geht's dir? Alles in Ordnung?" Das ist alles. Ich kann mich nicht der Gegenwart erfreuen, weil mir die Vergangenheit in den Sinn kommt.

Nehmen wir an, ich treffe euch und sofort tauchen Erwartungen in mir auf. Entweder möchte ich, dass ihr mir einen Gefallen tut, oder ich habe Angst, ihr könntet mich ausrauben oder mich ausnutzen. Ich bin misstrauisch. Wenn ich also jemanden mit Misstrauen treffe, weil ich an die Zukunft denke: "Dieser Mann könnte mich etwas fragen, er könnte versuchen, mich zu beeinflussen", dann sage ich nicht mit glücklicher Stimme, "Wie geht es dir?". Nein. Ich sage gekünstelt und halbherzig: "Wie geht's?" Das ist alles.

 

Ein Beispiel: Vor langer Zeit scherzte Swami einmal mit den Jungen, als wir in Kodaikanal waren. Er wollte sie ein bisschen necken. Alle waren Studenten des Examenssemesters und Swami fragte einen Jungen: "Was machst du?"

"Swami, ich bin im letzten Jahr 'Geschäftsmanagement'."

"So, und was willst du dann machen?"

"Swami, das, was Du sagst."

"Oh! Ich verstehe! Dann mach M-R-S!"

"M-R-S, Swami?"

"Ja, M-R-S. Heirate!" Der Junge lächelte, er sprudelte über vor Freude.

"Du bist also bereit, so-so!", sagte Er.

Am nächsten Abend war ein anderer Junge an der Reihe. "Was tust du?"

"Abschlussjahr Mathematikwissenschaften."

"Gut! Und was willst du dann machen? In einem Monat liegen die Examensergebnisse vor. Was willst du dann machen?"

"Swami, das, was Du möchtest!"

"Oho! Deine Freundin wartet auf dich. Geh!"

"Nein, Swami!"

"Geh und heirate!"

"Nein, Swami!"

"Oh! In Ordnung!"

Jeden Tag ging das so. Einmal sagte Er: "Junge, du bist so glücklich zu heiraten? Weißt du, wie man 'wife' (Ehefrau) buchstabiert?"

Ein Junge sagte: "W-I-F-E."

"So, W-I-F-E, wife? Du kannst es buchstabieren. Bis du bereit für eine Ehefrau?"

Dann sagte Er: "O Jungs! Ihr sagt jetzt 'Swami, Swami', aber wenn ihr morgen zu eurer Ehefrau kommt, dann ist die Frau euer Leben und ihr widmet euer Leben eurer Frau." Alle lachten.

Er fuhr fort: "Wisst ihr, was w-i-f-e bedeutet? 'Worries-invited-for-ever' - 'für-immer-aufgeladene- Sorgen'. Alle lachten herzlich. Er wiederholte das zweimal. Aber innerlich fühlte ich, dass es nicht stimmt. Ich sagte leise: "Swami, ein bescheidener Einwurf, wenn Du gestattest."

"Was ist es? Sag!"

"Swami, ich kann dir Tausende von Beispielen von Devotees aufzählen, wo die Männer ihrer Frauen wegen zu Devotees wurden. Kannst Du sie da 'für-immer-aufgeladene-Sorgen' nennen? Der Mann wurde ein Devotee wegen seiner Frau. Ist sie da noch eine Sorge?"

Swami sah mich an. Ich war auf alles gefasst. Was hätte ich auch sonst tun können? Dann fuhr ich fort, mein Argument zu untermauern: "Auch bei mir war das so. Ich bin keine Ausnahme. Darüber hinaus hat sie die Hauptlast und Hauptverantwortung getragen, während ich 25 Jahre lang für die Organisation herumreiste (A.K. war für Sai-Organisation Andhra Pradesh zuständig, A.d.Ü.). Ich war nie zu Hause, nie verfügbar. Die bessere Hälfte hatte die ganze Verantwortung. Kann ich da noch sagen, 'für-immer-aufgeladene-Sorgen'? Wäre sie nicht gewesen, ich wäre nie zu Dir gekommen."

"Bhagavân sagte: "Ah, sehr gut. Setz dich!" Es war Mittagszeit und unsere Versammlung wurde vertagt.

Abends saßen wir wieder beisammen. Swami sagte: "Komm, steh auf!" Er hielt eine Lobrede auf die Frau, jawohl! Die Frau hält Prestige, Würde, Kultur und Erbe der Familie aufrecht und nicht der Mann."

O Swami, nun spielst Du die andere Seite der Kassette. Es ist ein zweischneidiges Schwert. Ich erzähle euch, was Er sagte: "Sie kümmert sich um die Familie. Sie trägt die Last und Verantwortung für die Familie. Die Frau ist das Symbol der Opferbereitschaft, der Liebe, des Mitleids, der Frömmigkeit und was nicht noch alles!"

Ist der Mann nun das Symbol der Grausamkeit oder was? Morgens sagst Du "worries-invited-for-ever" - und jetzt? Ich verstehe das nicht. Es ist genau das Gegenteil. Und so lobte Er die Frauen in einem fort. Zum Schluss sagte Er scherzend: "Viele Frauen kommen zu Mir. Sie weinen, 'Bhagavân! Ich will nicht mehr leben. Mein Mann ist gestorben. Sorg bitte dafür, dass ich auch sterbe. Ich möchte nicht von meinem Mann getrennt leben. Das Leben ist bedeutungslos geworden.' Das sagt eine Frau, wenn sie ihren Mann verloren hat! Es gibt auch Männer, deren Frauen nicht mehr leben. Aber obwohl seine Frau tot ist, kommt er zu Mir und bittet um Erlaubnis wieder heiraten zu dürfen! Bis zum heutigen Tag ist noch nicht eine Frau zu Mir gekommen, weil sie ein zweites Mal heiraten will. Aber viele Männer kommen und wollen ein zweites Mal heiraten. Das ist der Unterschied zwischen Mann und Frau."

Ich übersetzte das alles und sagte dann: "Swami! Heute morgen hast Du das Gegenteil gesagt und nun sagst Du so etwas. Wie soll ich das verstehen? Ich sagte das leise, weil ich nicht wollte, dass es jeder hört, denn wenn ich verbannt werde, unterhaltet ihr euch auf meine Kosten.

Dann sagte Er: "Bei den Frauen, die bewusst und aktiv sind, die ihre Männer ermutigen, den spirituellen Weg zu gehen, ist es nicht 'worries-invited-for-ever'. Da ist es 'wisdom-invited-for-ever' - 'für-immer-eingeladene-Weisheit'."

"Swami, was soll das? Morgens 'worries-invited-for-ever' und abends 'wisdom-invited-for-ever'. Was soll ich damit anfangen?"

Dann sagte Bhagavân: Mein Wagen hat einen Vorwärtsgang und auch einen Rückwärtsgang!"

Das sind die glücklichen Augenblicke.

 

Vorige Tage gab Swami noch ein anderes Beispiel. Ihr könnt aus Ton einen Topf mit Deckel herstellen. Der Topf hat eine Form und einen Namen. Wenn der Topf kaputtgeht wird er wieder zu Ton. Aus diesem Ton werden wieder Töpfe gemacht. Töpfe haben viele Namen und Formen. Aber Ton an sich hat keine spezifische Form.

Swami sagte: "Alles, was einen Namen und eine Form hat, gibt euch Glück. Glückseligkeit jedoch ist jenseits von Name und Form."

Er fuhr fort: "Glückseligkeit ist nicht-dual." Er gab ein einfaches Beispiel, das Beispiel einer Kinoleinwand: "Ihr projiziert viele, viele Filme auf die Leinwand; in einem Film tanzen die Leute, in einem anderen findet ein schrecklicher Kampf statt, im nächsten Film weinen Heldin und Held, weil sie voneinander getrennt sind. Nun sind die Filme vorüber, wir stehen alle auf und verlassen das Kino. Aber die Leinwand ist wie immer. Sie tanzt nicht und weint nicht. Die Filme werden auf die Leinwand projiziert, aber die Leinwand bleibt davon unberührt. Die Leinwand reagiert nicht, egal, ob es sich nun um eine Romanze oder einen Krieg handelt - Leinwand bleibt Leinwand. Das ist alles. Sie ist unberührt. Diese Leinwand ist wie Glückseligkeit." Das sagte Baba.

Die Leinwand ist wie der Zustand der Glückseligkeit, der vom Unglück dieser Welt unberührt bleibt. Sie ist jenseits von Gewinn und Verlust, Erfolg und Niederlage. Das heißt, Glückseligkeit ist nicht-dual. Gott ist Glückseligkeit und Glückseligkeit ist Gott.

 

Shivalinga

 

Vorige Tage sagte ich: "Swami! Dieses Shivarâtri war fantastisch!"

Baba sagte: "Es war nichts Besonderes. Warum sagst du 'phantastisch'? Warst du letztes Jahr Shivarâtri nicht dabei?"

"Doch, Swami, ich war da. Aber dieses Jahr... aah!"

"Warum? Vielleicht hast du dieses Mal nicht geschlafen? Du warst wach und deshalb hast du es genossen. Letztes Jahr musst du geschlafen haben!"

"Nein, nein, alles war wie sonst auch."

Aber Gott ist immer noch neugierig; Göttliche Neugier ist interessant. Menschliche Neugier ist abstoßend. Neugier auf der menschlichen Ebene ist widerlich und ärgerlich; aber Göttliche Neugier ist interessant und macht Spass und Freude.

Er sagte: "Was war dieses Jahr so besonders?"

Eine Gelegenheit etwas zu sagen...! "Swami! Einige Leute baten mich, Dich zu bitten, Du mögest Deinen Stuhl etwas höherstellen lassen. Er ist so niedrig, dass nicht alle Dich sehen können."

"Und dann?"

"Andere wiederum baten mich, Dich zu bitten, Du mögest auf allen Seiten Fernsehgeräte aufstellen lassen, damit alle sehen können. Denn wenn das Linga hervorkommt, stehen vielleicht einige Leute auf und dann können die anderen nichts mehr sehen. Aber wenn Fernsehgeräte aufgestellt würden, könnten alle es sehen und sich freuen."

"Hm! Und was hast du geantwortet, was hast du ihnen gesagt?"

"Swami, ich weiß, dass ich Dir diese Dinge gar nicht erzählen sollte. Sie wollten, dass ich es Dir sage. Aber ich habe es nicht gesagt, weil ich meine Grenzen kenne. Ich habe ihnen auch gesagt, dass ich hier bin, weil ich solche Dinge nicht erzähle. In dem Augenblick, wo ich sie weitergebe, werde ich woanders sitzen, aber nicht mehr hier."

Dann sagte Er: "Sag ihnen auch, dass du respektvoll bist, so lange du den Mund nicht öffnest! Geh und sag ihnen das! Wenn du dich zurückhältst und solche Dinge nicht erzählst, bist du noch respektvoller."

"Oh, Swami."

Dann sagte Er: "Warum warst du dieses Jahr glücklich?" Hartnäckige Göttliche Neugier!

Ich sagte: "Swami! Dieses Jahr war aufregend, weil Du aufgestanden bist! Man brauchte den Stuhl gar nicht zu erhöhen oder Fernsehgeräte aufzustellen. Ohne dass ich oder irgendjemand anders Dir etwas gesagt hat, bist Du aufgestanden und dann kam das Shivalinga hervor."

"Gut, gut! Du brauchst Mir das nicht zu sagen."

Und dann fuhr Er fort: "Weißt Du, was geschah? Das Linga kam mit Gewalt heraus, nicht langsam."

Ihr müsst das gesehen haben. Ihr müsst gesehen haben, wie es mit aller Kraft wie ein Strahl hervorkam! Swami erklärte, warum das so war: In unseren Körpern sind alle Metalle vorhanden, inklusive Gold. Deshalb wird im Ayurveda Gold als Heilmittel verabreicht. Alle Metalle sind also in flüssiger Form in unserem Körper vorhanden.

Bhagavân sagt: "Wenn das Flüssige fest wird, entsteht Hitze und deshalb kam das Linga mit solcher Kraft heraus. Nicht nur das, Ich schwitzte. Ihr habt das sicher gesehen." Das sagte Baba. "Ich habe zwei oder drei Lehrer gebeten, Mich zu befächeln, was sie auch taten. Auch das habt ihr sicher gesehen. Ich schwitzte, weil Hitze entsteht, wenn Flüssiges, feste Form annimmt. Deshalb kam es mit solcher Kraft heraus. Wegen dieser Hitze schwitzte Ich. So viele mussten Mich in diesem Augenblick befächeln."

"Oh, Swami."

Dann erwähnte Er noch einen anderen Punkt: "In eurem Fall wird Festes in Flüssiges umgewandelt. In Meinem Fall aber wurde Flüssiges in Festes umgewandelt. Das ist der Unterschied. Gott ist in euch. Das Feste wird in Flüssiges umgewandelt. Es bleibt dann so. Aber in Swamis Fall, wird Flüssiges zu Festem und das kam in Form eines Linga hervor."

"Ah! Swami!"

"Das ist eine Demonstration für euch alle, damit ihr erkennt, dass das Shivalinga in jedem von euch ist."

 

Swami brachte es als Symbol mit einer spirituellen Bedeutung hervor, damit wir Glückseligkeit erfahren können. Glückseligkeit ist nicht ein Ideal, es ist keine Meinung, keine Hypothese. Glückseligkeit ist nicht theoretisch. Glückseligkeit ist unser gegenwärtiger Zustand. Gott ist Glückseligkeit und Glückseligkeit ist Gott. Glückseligkeit ist Zeuge, aber nicht Teilnehmer. Ich sehe einen Film auf der Leinwand. Es geschehen so viele Dinge in dem Film - der Held verprügelt jeden. Aber ich werde nicht verprügelt. Ich sehe nur zu. Ich bin kein Teilnehmer, ich bin nur Zeuge und sehe all das, was auf der Leinwand geschieht. Das ist alles.

Glückseligkeit ist ein Zeuge, aber kein Teilnehmer. Glück hingegen erreicht man als Teilnehmer. Als Teilnehmer kann man glücklich sein - oder unglücklich. Glückseligkeit ist Zeuge, nicht Teilnehmer. Glückseligkeit ist Bewusstsein.

 

Bewusstsein existiert auf allen drei Ebenen. Es gibt nichts ohne Bewusstsein. Das eine ist das physische Bewusstsein oder das Bewusstsein im Wachzustand. In diesem Zustand kann ich alle sehen. Wir befinden uns jetzt alle im wachen Bewusstseinszustand; dieser Wachzustand umfasst den Körper, den Verstand (mind) und das Bewusstsein. In diesem Zustand arbeiten alle drei zusammen.

Dann kommt der zweite Zustand, der Traumzustand. Bhagavân gab ein Beispiel: Ich bin jetzt hier. Wir alle sind hier. Wir gehen zurück und heute nacht träumen wir. Wir träumen, wir seien in dieser Halle. Ist diese Halle dort im Traum? Nein! Seid ihr alle in diesem Traum? Nein! Der Verstand (mind) hat diese Halle und euch alle und auch mich geschaffen. Das Bewusstsein im Traum ist ein Ausdruck des Verstandes (mind) und des Bewusstseins.

Swami sagt, dass der Verstand und die Sinne gleich dem Wachzustand sind. "Swami, die Sinne?" Warum? Wenn man eine Betäubungsspritze gibt, fühlt ihr die Schmerzen nicht, weil das Gefühl (mind) bewusstlos ist. Wenn die Gefühle bewusstlos sind, fühlt man keinen Schmerz. Das bedeutet, dass Verstand (mind, Gemüt; Gedanken und Gefühle) und Körper gemeinsam existieren.

Sondert man den Verstand (mind) ab, befindet man sich im Traumzustand. Agieren Verstand und Sinne gemeinsam, handelt es sich um den Wachzustand.

Der erste Zustand ist also der Wachzustand, wo Verstand und Körper gemeinsam funktionieren. Der zweite Zustand ist der Traumzustand, wo nur der Verstand (mind) funktioniert und alles nur vom Verstand produziert wird.

Dann kommt der dritte Zustand: der Tiefschlaf. Es ist der Zustand, in dem es keine Träume gibt, man sehr gut schläft und das Bewusstsein nur Zeuge ist. Aber auch das ist ein vorübergehender Zustand.

 

Es ist ein schwieriges Thema, über das Bhagavân vor zwei Tagen ausführlich sprach. Swami saß eine Stunde und zehn Minuten lang da und sprach über diese Dinge. Deshalb möchte ich das alles gerne mit euch teilen. Wenn etwas Falsches dabei herauskommt, ist es mein Fehler. Swami erklärte es tadellos. Aber da es nun aus zweiter Hand zu 50% über Anil Kumars Stimmbänder kommt, mag es nicht zu eurer Zufriedenheit sein. Aber Swami erklärte es sehr deutlich.

Im ersten Zustand, dem Wachzustand, funktionieren, Körper, Verstand und Bewusstsein oder Atman gemeinsam. Atman bedeutet Bewusstsein. Körper - Verstand - Atman (body - mind - atman: B-M-A).

Im zweiten Zustand, dem Traumzustand, funktionieren nur zwei. Dort erschafft der Verstand (mind) alles, und wir träumen. Die Sinne sind ausgeschaltet. Nur Verstand und Bewusstsein (Atman) funktionieren (mind - atman: M-A).

Im dritten Zustand, dem Tiefschlaf, gibt es keine Träume, da gibt es nur das Bewusstsein, Atman (atman: A). Das Bewusstsein ist nur als Zeuge vorhanden.

Wachzustand, Traumzustand und Tiefschlaf sind also die drei Ebenen. Aber selbst dieser Tiefschlaf ist nicht von Dauer. Ich stehe auf und sage: "Ich habe letzte Nacht gut geschlafen!" Wenn ihr mich fragt, was für ein Schlaf das war, bin ich nicht in der Lage, diesen Zustand des Tiefschlafs zu beschreiben. Er ist weder heiß noch kalt, weder klein noch groß, weder hell noch dunkel. Tiefschlaf ist nur Erfahrung, eine nicht andauernde Erfahrung; auch sie vergeht. Denn in dem Augenblick, wo ihr aufwacht, sagt ihr: "Ich habe gut geschlafen. Nun werde ich das wahre Leben genießen!"

Baba sagte, dass es noch einen vierten Zustand gibt, Reines Bewusstsein (turîya). Dieses reine Bewusstsein ist jenseits von Wachen, Träumen und Tiefschlaf.

"Swami, wenn es jenseits dieser drei ist, wie kann ich  es dann kennen? Wachzustand kenne ich, Traumzustand auch und den Tiefschlaf genieße ich. Was ist dieser vierte Zustand, den ich nicht kenne?"

Swami sagte: "Reines Bewusstsein, der vierte Zustand, ist zwar in allen drei Stadien aber dennoch ist es jenseits davon."

"Aha, in allen dreien, aber jenseits davon. Was bin ich dann? Wie erkenne ich diesen Zustand?"

Swami gab ein einfaches Beispiel: "Das Mikrofon verstärkt Meine Stimme, deshalb könnt ihr Mich hören. Aber das Mikrofon ist nur ein Instrument, ein Medium. Der Ventilator bringt euch frische Brise. Aber der Ventilator ist nicht in der Elektrizität. Elektrizität betreibt den Ventilator, aber der Ventilator betreibt nicht die Elektrizität. Elektrizität betreibt das Mikrofon, aber das Mikrofon betreibt nicht die Elektrizität. Elektrizität ist also in der Glühbirne, im Mikrofon, im Ventilator, im Fernsehen, Heizofen usw. Aber all diese elektrischen Geräte sind nicht in der Elektrizität enthalten. Elektrizität ist wie Reines Bewusstsein; es ist in allen drei Zuständen vorhanden - wie im Ventilator, Kühlschrank, Fernsehen usw. Durch all diese Geräte fließt Strom, aber sie sind nicht in der Elektrizität.

Ebenso ist Reines Bewusstsein im Wachzustand, im Traumzustand und im Tiefschlaf vorhanden; aber es ist jenseits der drei, so wie Elektrizität jenseits der elektrischen Geräte ist. Dieses Reine Bewusstsein ist Glückseligkeit."

"Swami, wenn es Glückseligkeit ist, warum bin ich nicht glückselig? Es ist doch in allen drei Zuständen da!"

Swami sagte: "Aufgrund von Bindung seid ihr nicht glückselig. Glückseligkeit ist da. Nur diese Bindung beraubt euch des glückseligen Zustands. Wenn ihr allem gegenüber Bindungslosigkeit entwickelt, werdet ihr euch der Glückseligkeit oder des Reinen Bewusstseins erfreuen können."

 

Zum Schluss möchte ich noch zwei Fragen erwähnen, die ich Swami in diesem Zusammenhang stellte.

"Swami, Du sagst, ich solle keine Bindungen haben. Aber was ist mit meiner Familie? Wie kann ich ohne Bindung an die Familie sein? Ich bin Lehrer, wie kann ich nicht an meinen Beruf gebunden sein? Wenn ein Arzt nicht an seinen Beruf gebunden ist, was geschieht dann mit dem Patienten? Kann man da bindungslos sein? Ist das überhaupt wünschenswert oder notwendig? Führt das nicht zu Ineffizienz, Faulheit, Trägheit?"

Swami sah mich spitzbübisch an und sagte: "Glaubst Du, Ich kann dir keine Antwort darauf geben?"

"Swami, Du bist der Einzige, der das kann! Deshalb frage ich."

Bhagavân sagte: "Es geht nicht um diese Art der Bindunglosigkeit. Du kannst bindungslos sein, aber dennoch jede Aktivität als Verantwortung ausführen. Es ist deine Pflicht, deine Verantwortung. Das ist alles."

"Swami, wie kann ich das, sag es mir bitte!"

Bhagavân sagte: "Nimm Mich als bestes Beispiel. Ich tue all diese Dinge; Ich spreche mit dir. Ich gebe alles, aber ich bin völlig ungebunden. Es ist Meine Pflicht, euch zu helfen, euch zu retten. Es ist Meine Pflicht, euch zu lieben. Aber Ich bin nicht gebunden."

 

So, meine Freunde, Bindungslosigkeit d.h. alles als Pflicht und aus Verantwortung zu tun, wird uns helfen, diesen Zustand des Reinen Bewusstseins zu erfahren, auf den wir einen rechtmäßigen Anspruch haben und der unsere wahre Natur, Glückseligkeit, ist. Glückseligkeit ist Gott, Gott ist Glückseligkeit. Lebt in Glückseligkeit ist der Gedanke für diesen Tag.

Möge Sai euch segnen. Vielen Dank fürs Zuhören!

 

         Auf den Videokopien des Ashrams ist eben diese Szene des Hervorkommens des Lingams nicht zu sehen. Der Kameramann hatte seine Kamera auf den sitzenden Swami eingestellt und war in dem Augenblick als Swami aufstand und das Lingam hervorbrachte, nicht rechtzeitig zur Stelle, um seine Kamera zu ajustieren! A.d.Ü.

 

 

           

Asato mâ sad gamaya; tamaso mâ  jyotir gamya; mrityor mâ amritam gamaya

 

Lokasamastâh sukhino bhavantu -Lokasamastâh sukhino bhavantu lokasamastâh sukhino bhavantu

Om Shânti, shânti, shânti