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ANIL KUMARS EXTRA-SATSANG
Babas Gespräche mit den Studenten
ª Sai-Perlen der Weisheit ª
Teil 5
26. November 2002
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Sai Ram
26. November 2002
Heute nachmittag sprach Bhagavân eineinhalb Stunden lang zu uns. Darüber werde ich euch nun berichten - ganz frisch! Swami sprach verschiedene Themen an. Ich will versuchen, das so gut wie möglich zusammenzufassen.
"Warum Traurigkeit, warum Elend?", lautete die erste Frage.
Darauf antwortete Bhagavân: "Eure Vorstellungen und Illusionen sind die Ursache für eure Traurigkeit. Wenn ihr euch nicht täuschen lasst, wenn ihr keine Vorstellungen habt, dann hat Elend überhaupt keine Chance. Bhrama ist Illusion. Wenn ihr frei seid von bhrama, Illusion, werdet ihr Brahman, Gott, erfahren. Brahman ist göttlich. Wenn ihr Brahman, das Göttliche erfahrt, werdet ihr nicht von bhrama, Illusionen und Täuschungen mitgerissen. Der Grund für euer Elend beruht also auf euren eigenen Vorstellungen und Illusionen."
"Bhagavân, bitte erkläre uns was bhrama ist."
"Es gibt viele Illusionen, bhrama; aber es gibt nur einen Brahman, Gott. Wenn ihr diesen einen Gott, Brahman kennt, bleibt ihr ruhig, ungestört, unberührt und gleichmütig."
Bhagavân gab in diesem Zusammenhang einige Beispiele. Nehmen wir z. B. die Leinwand in einem Kino. Auf diese Leinwand werden Filme projiziert. Es gibt viele Filme. Manche bringen uns zum Weinen, gewisse Filme veranlassen uns zu tanzen, doch die Leinwand selbst weint niemals und tanzt auch nicht. Die Leinwand verändert sich nicht, obwohl viele verschiedene Filme auf sie projiziert werden.
Ähnlich ist Brahman, das Göttliche, eine Leinwand - unveränderlich, dauerhaft, ewig, unbefleckt, unsterblich, nektargleich, unbeschmutzt. Die Filme hingegen, die auf die Leinwand projiziert werden, sind immer wieder andere; sie sind vorübergehend, weltlich und momentan. Das ist das eine Beispiel.
Das nächste Beispiel: In der englischen Literatur gibt es so viele Bücher, viele, viele Bände. Sei es nun ein Buch mit 500 oder mit 1 000 Seiten, mit vielen Seiten und Sätzen. Ihnen zugrunde liegen nur 26 Buchstaben - das ABC. Es sind nur 26 Buchstaben. Mit diesen 26 Buchstaben wurden unzählige Bücher geschrieben. Bände, Seiten und Sätze gibt es viele, aber allen liegen nur diese 26 Buchstaben zugrunde.
Ebenso ist auch Brahman die Basis für die vielen, vielen Gedanken, Vorstellungen, Illusionen und Verhaltensweisen. Wenn ihr diese Basis, Brahman das Göttliche, einmal erkannt habt, werdet ihr voller Freude sein; dann werdet ihr euch im Zustand der Glückseligkeit befinden.
Bhagavân erwähnte einen dritten Punkt: Jâgrat ist der Wachzustand. Der Schlaf- oder Traumzustand wird svapna genannt, der Tiefschlaf ist sushupti. Ich existiere im Wachzustand, im Schlafzustand und im Tiefschlaf. Ich verändere mich nicht. Doch die Bewusstseinsebenen dieser drei Stadien sind unterschiedlich. Meine Erfahrungen im Wachzustand unterscheiden sich völlig von denen im Traumzustand und meine Erfahrungen im Traumzustand sind wiederum völlig verschieden von denen im Tiefschlaf, wo ich gar keine Erfahrungen habe. Doch ich existiere in allen drei Zuständen.
Dieses 'Ich' ist also Brahman, das Göttliche. Die drei Bewusstseinszustände und die jeweiligen Erfahrungen in diesen Zuständen sind voneinander verschieden und dennoch existiere ich weiterhin. Das ist Brahman.
Dieses Beispiel brachte Swami heute nachmittag.
"Bhagavân, wenn es nur eine Wahrheit gibt, warum gibt es dann so viele Religionen? Es gibt nur eine Wahrheit. Du sagst, Brahman, das Göttliche, ist eins und der Rest ist nur Vorstellung. Soweit verstehe ich das. Nur, warum gibt es dann so viele Religionen?"
Bhagavân gab ein einfaches Beispiel. Regen ist eins, aber es gibt viele Flüsse, Nebenflüsse, Seen, usw. Ebenso gibt es nur eine Wahrheit, aber viele Religionen. Die Wahrheit steht für den Regen; die Flüsse, Nebenflüsse, usw. sind die verschiedenen Religionen. Es gibt nur eine Wahrheit.
Dann stellte ich eine andere Frage: "Swami, es gibt viele Religionen. Was ist die Ursache für die Vielzahl der Religionen? Sind unsere Ideologien verschieden, oder unsere Praktiken? Sind es die Praktiken oder die Ideologien, die für die Existenz verschiedener Religionen verantwortlich sind?"
Bhagavân sagte: "Eure religiösen Praktiken sind die Basis für die Ideologie. Die Ideologie ist die Basis einer Religion. Unsere Praktiken sind also unterschiedlich. Das führt zu unterschiedlichen Ideologien und endet schließlich in verschiedenen Religionen. Aber die allem zugrundeliegende Wahrheit ist eins. Der Regen ist eins - doch Flüsse und Seen gibt
es viele."
Dieses wunderbare Beispiel gab Baba.
Bhagavân brachte ein weiteres Beispiel aus der indischen Geschichte. Es lebte einmal ein großer, sehr bedeutender König namens Vikramâditya. Dieser berief eines Tages eine Konferenz aller pandits ein; viele Gelehrte kamen. Der König stellte die Frage: "Ihr Gelehrten, sagt mir bitte was größer ist: die Intelligenz oder der Intellekt?"
Bhagavân erklärte: "Intelligenz ist eine Eigenschaft des mind. Der Intellekt ist der Intelligenz überlegen. Unsere sogenannte Intelligenz, die der mind ist, ist dem Intellekt, buddhi unterlegen."
"Swami, warum ist der Intellekt dem mind überlegen?"
Swami sagte: "Der mind ist dual und voller Zweifel. Der Intellekt hingegen entscheidet, urteilt und ist zielgerichtet. Der Intellekt erlaubt keine Zweifel; der mind jedoch ist voller Höhen und Tiefen. Darum ist der mind dem Intellekt unterlegen. Der Intellekt ist höher angesiedelt als der mind. Der Intellekt besitzt Unterscheidungskraft und Urteilsvermögen."
Das war Bhagavâns Antwort.
Der König stellte eine weitere Frage an die Gelehrten.
"Was ist größer: Shraddhâ oder viveka." Shraddhâ bedeutet (u.a.) Beständigkeit, Unbeeinflussbarkeit; viveka heißt (u.a.) Weisheit.
Alle sagten: "Viveka, Weisheit, ist größer."
König Vikramâditya sagte: "Ihr habt unrecht. Shraddhâ ist viveka überlegen. Warum? Shraddhâ bedeutet Beständigkeit, Unbeeinflussbarkeit. Wenn man unbeeinflussbar und beständig ist, hat man niemals Zweifel; man wird niemals nachlässig oder verantwortungslos sein. Weisheit hingegen versucht, unterscheidet, trennt. Unbeeinflussbarkeit, Beständigkeit teilt nicht, macht keine Unterschiede, sondern ist entschlossen und zielgerichtet. Darum ist shraddhâ - Unbeeinflussbarkeit viveka - Weisheit überlegen."
"Bhagavân, danke! Du erklärst so viele Dinge - z.B. dass der Intellekt über dem mind und shraddhâ über viveka steht. Gut! Aber warum befinde ich mich nicht immer im Zustand des Bewusstseins? Warum hält dieser Zustand nicht an? Warum fühlt man ihn nur zu bestimmten Zeiten und in bestimmten Situationen? Für die meisten von uns ist dieser Bewusstseinszustand nicht andauernd. Wenn wir Baba sehen - ja, dann sind wir bewusst; Oder wenn wir meditieren - dann sind wir bewusst. Wir sprechen über Baba - und sind bewusst. In der übrigen Zeit... - da sind wir völlig unbewusst! Meine Frage ist also: Warum befinden wir uns nicht im Zustand ständigen Bewusstseins?"
Bhagavân gab eine einfache Antwort: "Die Tatsache, dass du 'warum?' fragst, die Tatsache, dass du dein Verbleiben in ständigem Bewusstsein in Frage stellst, ist der Grund dafür, dass der Zustand des Bewusstseins unterbrochen wird. Du zweifelst, ob es möglich ist oder nicht. Dieser Zweifel ist für die Unterbrechung des Bewusstseinszustandes verantwortlich. Wenn man keine Zweifel hat, dann ist dieses Bewusstsein da und hält an. Dieser Zweifel sollte also sofort aufgegeben werden."
Ich kommentierte: "Swami, die Geburtstagsfeierlichkeiten sind nun vorüber. Ich habe das Gefühl sie waren bereits vorüber, ehe sie überhaupt begonnen hatten. Das ging so schnell vorbei!"
Swami sagte: "Das Leben ist ein Fest; es ist voller Freude und Ausgelassenheit. Auch in deinem Fall! Das ist nicht nur bei Mir so. Auch in deinem Fall kann das Leben voller Spaß, Humor, Vergnügen und Festlichkeit sein."
"Nein, Swami! Tut mir leid, aber mein Leben ist kein Fest! Nein! Montags mag ja gefeiert werden, aber dienstags herrscht Stille und mittwochs womöglich Traurigkeit. In unserem Falle ist das Leben kein andauerndes Fest. In Deinem Fall, ja, da ist es voller Freude, voller Glückseligkeit, ein ständiges Feiern. Aber bei uns ist das nicht so."
Swami sagte: "Mein Leben ist Meine Botschaft. Ich will, dass ihr dem Meister folgt. Folgt Mir!"
"Swami, gut! Du sagst, wir sollen Dir folgen. Aber warum sind wir nicht in der Lage, Dir zu folgen? Du sagst auch, Dein Leben ist Deine Botschaft. Einverstanden. Aber warum sind wir unfähig, es Dir gleich zu tun? Ich möchte das gerne wissen!"
Swami sagte: "Selbstsucht! Eure Selbstsucht macht euer Leben so schwer, so ernst, bürdevoll und tragisch. Wenn ihr eure Selbstsucht aufgebt, wird euer Leben voller Festlichkeit, Tanz, Musik und Ekstase sein."
"Bhagavân, einverstanden. Muss ich von nun an lernen, wie man das Leben feiert?"
Bhagavân sagte: "Das kann man nicht lernen. Was man lernt, vergisst man auch wieder. Alles, was man lernt, unterliegt wiederholten Veränderungen. Aber du musst das selbst (Selbst) entdecken. Die Kunst der Selbst-Entdeckung wird dir helfen, dein Leben zu einem Fest zu machen. Mann kann es nicht lernen, Du musst dein Selbst entdecken."
Sehr gut! Man kann es also nicht lernen und nicht darüber lesen. Dann lasst uns also unser wahres Selbst entdecken! Das ist der beste Weg zur Befreiung, der beste Weg, das Leben zu feiern.
Bhagavân, wir hören das Wort râjakîvamu. Wir möchten Deine Meinung über râjakîvamu (Politik) hören."
Swami sagte: "Politik? Chi, chi! - Pfui! Sag so etwas nicht! Das ist râjakavvamu." ('Kavvamu' heißt 'Kampf'.) Politik ist nichts als Kampf und Streit. Es ist also nicht râjakîvamu, sondern râjakavvamu. Sprich nicht darüber!"
Ich fragte: "Swami, wie kann man Politik rein machen? Wenn Politik schmutzig und unrein ist, wie kann man eine ideale Demokratie erreichen? Wie kann man Politik rein machen? Es hat keinen Sinn lediglich festzustellen, dass Politik schmutzig ist, nein! Ich möchte sie sauber machen. Es muss doch einen Weg geben, wie man auf saubere Weise Politik macht. Wie geht das, Swami?"
Bhagavân erwähnte zwei Aspekte in diesem Zusammenhang: "Dazu braucht man erstens nijavathy - individuelle Integrität und zweitens nîti, Moral. Wenn man diese beiden beachtet, wird Politik rein sein."
"Swami, ich habe einen kleinen Zweifel."
"Ja, welchen?"
"Ich denke, nîti und nijavathy ist dasselbe. Sag mir bitte, welchen Unterschied es da gibt."
Swami erklärte: "Nijavathy, Integrität ist rein individuell; nîti, Moral bezieht sich auf die Gesellschaft. Moral ist eine gesellschaftliche Verpflichtung. Moral ist gesellschaftlich. Mit individueller Integrität, nijavathy und gesellschaftlicher Moral, nîti, kann Politik gesäubert werden. Das ist dann râjanîti - saubere Politik, Politik, die frei ist von Schmutz."
Ich fragte: "Swami, im Mahabharata lehrte der große alte Mann, Bhîshmâcârya, König Dharmaja (Yudhishthira) gegen Ende des Krieges die Prinzipien der Politik. Was für eine Politik lehrte er? Reine oder unreine Politik - râjakîvamu oder râjakavvamu?
Swami sagte: "Er lehrte nicht râjakivamu, Politik; er lehrte râjanîti, râjadharma, die ideale Form der Verwaltung, politische Verwaltung, politische Wissenschaft. Das lehrte er Dharmaja."
"Bhagavân, in einer Deiner letzten Reden hast Du über satyam, ritam und mahat gesprochen. Ich habe das nicht so recht verstanden - obwohl ich es übersetzte. Ich muss die tiefere Bedeutung dessen, was Du vermitteln wolltest, noch lernen. Würdest Du das, jetzt wo wir ein wenig Zeit haben, bitte noch einmal erklären!"
Swami, der gnädige und mitfühlende Gott, begann alles, was Er zur Geburtstagszeit gesagt hatte, noch einmal zu erklären. Das Beispiel, das Bhagavân ausführlich erläuterte stammt aus der Taittirîya-upanishad. Es geht um einen Vogel - ein Vogel mit einem Körper, zwei Flügeln, einem Hals und einem Schwanz. Der Körper ist mahat. 'Mahat' heißt 'Körper'. Die beiden Flügel sind satyam, Wahrheit, und ritam, göttliche Ordnung. Der linke Flügel ist satyam, der rechte ritam. Der Hals ist shraddhâ, Beständigkeit, Unbeeinflussbarkeit. Der Schwanz ist Yoga, spirituelle Disziplin. Das spirituelle Konzept wird also anhand eines Vogelkörpers erklärt.
"Swami, Yoga - spirituelle Übungen, shraddhâ - Beständigkeit, Aufrichtigkeit - ich denke eines davon genügt, um Befreiung zu erlangen. Sind das die vier Teile des Körpers?"
Bhagavân sagte: "Es sind vier verschiedene Teile desselben Vogels. Vier Teile, aber in einem Vogel. Ob es nun Yoga, der Schwanz ist, oder satya und rita, die Flügel, oder shraddhâ, der Hals - sie alle sind Bestandteile des einen Körpers. Sie alle führen zu dem einen Brahman, Gott. Brahman ist eins und dies sind die unterschiedlichen Teile."
Mit diesen einfachen Worten erklärte Bhagavân das Thema.
Dann wurde ein anderes Thema angesprochen. "Swami, wir sagen, der und der hat Glück. Der und der hat Pech. Die einen sind glücklich, die anderen unglücklich. Kannst Du mir das bitte erklären."
Bhagavân benutzte hier das Wort 'adrishtam'. In Englisch heißt das 'Glück'. Wenn ich sage, ihr habt 'adrishta', dann heißt das, 'ihr seid glücklich dran, ihr habt Glück!'
Doch Bhagavân gab eine tiefere Bedeutung des Wortes 'adrishtam' und erklärte es folgendermaßen:
"Drishtam ist das, was man sieht - adrishtam das, was man nicht sehen kann. Wie kannst du da sagen, 'adrishtam' bedeutet 'Glück'? Das Wort selbst sagt dir, 'es kann nicht gesehen werden'. Adrishtam ist also 'das, was man nicht sieht'. Das kann gut sein oder schlecht."
"Swami, eine Frage. Ob es nun Glück oder Unglück ist, sichtbar oder unsichtbar - aber was ist mit meinen Reaktionen? Bin ich glücklich, springe ich vor Freude in die Luft; bin ich unglücklich, weine ich. Meine Reaktionen sind da. Kannst Du mir bitte erklären warum? Ob man etwas sieht oder nicht - das ist eine andere Sache. Meine Erfahrung ist, dass ich weine, wenn ich unglücklich bin und vor Freude in die Luft springe, wenn ich glücklich bin. Wie erklärst Du das, Swami?"
Bhagavân sagte: "Das sind nur die Tricks des mind. Es ist das Spiel des mind. Glück und Unglück, Tränen oder Lachen - das alles ist nur das Spiel des mind. 'Manas' heißt 'mind'. Wer 'manas', mind hat, ist manîshi, ein Mensch."
"Swami, was soll ich also tun? Ich bin manîchi, ein Mensch. Wie soll ich manas, den mind, und adrishta, das was man nicht sieht, in Zusammenhang bringen? Wie soll ich dieses Konzept verstehen?"
Wenn wir wirklich geduldig sind und die Vedânta-Philosophie tatsächlich verstehen wollen, wird Swami in die Tiefe gehende Erklärungen geben. Dann wird Er alle Einzelheiten erläutern; doch wir sollten wirkliche Aspiranten sein und ehrliches Interesse haben.
Bhagavân erklärte: "Nehmen wir an, du verlierst deinen mind..."
"Swami...! Meinen mind verlieren...?"
"Ja, verlier deinen mind!"
"Wie kann ich meinen mind verlieren, Swami? Dann werde ich mental krank oder geistesgestört."
"Nein, nein! Deinen 'mind verlieren' heißt 'ohne Gedanken sein'. Zieh deine Gedanken zurück! Zieh deine Wünsche zurück! Dann existiert der mind nicht. Wenn der mind nicht existiert, gibt es auch keine Reaktionen. Wenn es keine Reaktionen gibt, dann gibt es auch weder Lächeln noch Tränen."
"Das ist eine wunderbare Erklärung, Swami. Ich bin froh, dass du erklärt hast, dass die Reaktionen durch den mind verursacht werden."
Dann sagte ich: "Swami, wir haben viel an diesem schönen Nachmittag gelernt. Ich bin Dir sehr dankbar."
Bhagavân sagte sarkastisch: "Was nützt es, all diese Dinge zu wissen? Wozu ist das gut?"
"Swami, nun weiß ich, dass ich nichts weiß. Nachdem ich nun all das weiß, was Du erklärt hast, weiß ich, dass ich nicht weiß, denn bisher dachte ich, ich wüsste. Jetzt, wo ich Dir zugehört habe, weiß ich, dass ich nicht weiß. Ich bin glücklich darüber."
Doch Bhagavân wird immer dafür sorgen, dass Er das letzte Wort hat. Er wird einem nicht erlauben, die Führung zu übernehmen. Sein Wort muss das letzte Wort sein.
Er sagte: "Oho...! Du weißt also, dass du nicht weißt...? Und woher weißt du, dass Du nicht weißt?" (Zuhörer lachen)
"Swami, ich gebe mich geschlagen. (Zuhörer lachen) Bitte, erkläre weiter!"
Dann sagte Er: "Wenn du sagst 'ich weiß' und 'ich weiß nicht' - dann ist da jemand, der weiß und der nicht weiß. Wer ist das? Es ist der Intellekt, das Bewusstsein, prajnâna (höheres Wissen). Dieses Bewusstsein weiß, dieses Bewusstsein sagt auch 'ich weiß nicht'. Dieses Bewusstsein ist jenseits von Wissen und Unwissenheit, denn es ist die Basis, es ist fundamental. Dieses Bewusstsein veranlasst dich zu sagen, 'ich weiß' und 'ich weiß nicht'. Dieses Bewusstsein ist jenseits von Wissen und Nichtwissen.
Ein einfaches Beispiel. Da ist Licht. Warum könnt ihr sagen, 'da ist Licht'? Weil ihr seht. Dann ist es dunkel. Ihr seht die Dunkelheit. Ist euer Sehen nun Licht oder Dunkelheit?
Euer Sehen ist weder Licht noch Dunkelheit! Oder ihr hört Musik - Popmusik und indische klassische Musik. Ihr hört sie. Ist das Hören selbst nun Popmusik oder klassische Musik? Nein, weder noch. Wenn du, Anil Kumar, sagst, dass du nicht weißt, dann ist das auch Wissen. Ich bin glücklich, dass du weißt, dass du nicht weißt."
Bhagavân fuhr fort: "Was wirst du nun tun?"
"Ich werde an all das denken, was Du gesagt hast. Thalapu, Gedanke."
Swami sagte: "Nein, nein. Öffne den Gedanken die Türen." (thalapu ist 'Gedanke', thalupu heißt 'die Tür') Öffne den Gedanken, thalapu, die Tür, thalupu!"
Oh je! Ich war völlig verwirrt: "Swami, was heißt das?"
Er erklärte: "Thalapu, der Gedanke ist der mind. Öffne thalupu, die Tür, damit die Gedanken herauskommen und zu Handlungen werden. Gedanken sollten zu Taten werden. Man sollte thalapu, Gedanken nicht im Kopf aufbewahren wie in einem Schrank."
"Swami, die Leute kämpfen auf linguistischer Ebene: Du sprichst die eine Sprache, ich die andere. Wir sind also auf sprachlicher Ebene voneinander getrennt. Italienische Gruppe. Russische Gruppe. Die Russen können nicht in eine italienische Gruppe gehen und die Italiener nicht in eine Russische Gruppe. Sprachlich sind wir also in Gruppen aufgeteilt. Bitte sag uns, wie man das Problem lösen kann."
Bhagavân sagte: "Wenn ihr das Objekt oder vâstutattva kennt, dann werden Wort oder Sprache gegenstandslos. Ein einfaches Beispiel: Wasser heißt in Englisch 'water', in Hindi 'pani', ins Sanskrit 'vâri', in Telugu 'neeru'. Verschiedene Namen in verschiedenen Sprachen für das eine Wasser. Wenn ihr also an Wasser denkt, sind Sprache und Wort unwesentlich. Wir sind auf sprachlicher Ebene voneinander getrennt, weil wir das Objekt an sich vergessen haben."
Heute nachmittag gab Bhagavân den Lehrern aus Sambia ein Interview. Ihr habt das sicher beobachtet. Swami sagte: "Wisst ihr, Ich habe in ihrer Muttersprache zu ihnen gesprochen. Ich sprach in Swahili zu ihnen. Das hat ihnen gefallen."
"Swami, welche Sprache kennst Du nicht? Du kennst alle Sprachen."
"Ja, gut! Aber heute sprach Ich in ihrer Landessprache. Sie waren sehr glücklich."
Inzwischen nahte die Zeit für Bhajans und Swami stand auf. Als Er in Richtung Interviewraum ging, fiel Sein Blick auf vier wichtige Persönlichkeiten aus der Universitätsverwaltung: der jetzige Vizekanzler, der vorherige Vizekanzler, der Registrator und der Rechnungsprüfer. Swami sagte: "Oh! Ihr vier seid wie Caturveda, die vier Veden."
Ihr kennt mich und wisst, dass ich den Mund nicht halten kann: "Swami, ich bin 'pancamo vedah', der fünfte Veda." (Zuhörer lachen)
Die Epik Mahabharatha nennt man auch 'fünfter Veda'. Wie gesagt, Swami hat immer das letzte Wort. Er drehte sich zu mir um und sagte: " 'Pancamo Vedah' - Bharat ist voller Kriege, voller Konflikte. Die vier Veden aber stehen für Einheit. 'Pancamo Vedah' steht für Krieg, Konflikt und Kampf."
Damit war die nachmittägliche Unterhaltung beendet.
25. November 2002
Gestern nachmittag um ein Uhr erhielt ich eine Nachricht mit der Aufforderung, sofort in den Ashram zu kommen. Ich ging hin. Alles war vorbereitet worden - Bhagavân würde für die Lehrer aus Sambia und Thailand eine Rede halten. Es waren auch einige Lehrer von den Fidschi-Inseln und den Philippinen da - Lehrer aus 33 Ländern waren versammelt. Die meisten kamen jedoch aus Thailand und Sambia. Die Lehrer waren alle gekommen, um ihre Diplome entgegenzunehmen, die Bhagavân am 20. November verteilte.
Hier nun ein paar Höhepunkte Seiner Rede. Es ging um Educare. Bhagavân sagte: "Was ist Erziehung bzw.Bildung? Was ist Educare? Erstens: Erziehung bzw. Bildung ist physisch und behandelt Dinge und Objekte, die von den fünf Sinnen wahrgenommen werden. Zweitens: Bildung bedeutet weltliches Wissen, Bücherwissen. Drittens: Bildung bezieht sich auf alle weltlichen Aspekte - die fünf Elemente, die fünf Sinne der Wahrnehmung, die fünf Sinne der Handlung, Geographie und alles andere. Bildung ist objektiv und nur äußerlich. Das alles betrifft den Kopf; alles geht in den Kopf. Alles Wissen - das weltliche, materielle, physikalische - geht in den Kopf. Bildung und Kopf sind eng miteinander verbunden. Bildung ist Information, die im Kopf, dem Computer, gespeichert wird.
Educare hingegen ist etwas anderes. Educare ist spirituell. Educare betrifft die innere Entwicklung, den inneren Fortschritt. Educare ist intuitiv. Educare bedeutet Transformation und nicht lediglich Information. Educare ist fundamental. Educare führt zur Verwirklichung. Educare behandelt die formlosen Werte des menschlichen Lebens. Wahrheit hat keine Form. Liebe hat keine Form. Opferbereitschaft hat keine Form. Frieden hat keine Form. Rechtschaffenheit hat keine Form. Die menschlichen Werte, die im Inneren sind, haben keine Form. Educare bringt all das hervor, was im Inneren verborgen und was formlos ist. Das ist die Lebensbasis. Dieses innere, höchst spirituelle Educare verhilft uns zur Verwirklichung.
Bildung hat also Information zum Ziel; Educare hat Verwirklichung und Transformation zum Ziel. Educare ist im Herzen, Bildung im Kopf."
Das sagte Bhagavân über Bildung und Educare.
Dann sprach Bhagavân über eine Geschichte aus den Epen. Es lebte einmal ein König namens Dushyanta. Sein Sohn hieß Bharata. Swami erklärte die Charaktere von Vater und Sohn. Bharatas Vater, der König, kam aus der Stadt und war sehr gebildet, aber charakterlos. Trotz all seiner Bildung besaß er keinen Charakter.
Sein Sohn Bharata wuchs in einem Ashram auf, nicht in einer Stadt. Er lebte mit seiner Mutter Shakuntalâ, die ihn aufzog, im Ashram des Weisen Kanva (der seinerseits Shakuntalâ großgezogen hatte).
Der König lebte in der Stadt und regierte das Königreich und Shakuntalâ lebte mit Bharata im Ashram von Kanva Maharishi. Der Vater besaß zwar viel Bildung, aber keinen Charakter. Der Sohn hingegen, der in einer Atmosphäre groß wurde, wo Werte gelebt wurden, besaß einen großartigen Charakter. Das sagte Bhagavân.
"Swami, sind Erziehung und Educare gegensätzlich? Sind es entgegengesetzte Pole?"
Swami sagte: "Nein! Sie sind keine entgegengesetzten Pole. Educare ist das Fundament, auf dem das Gebäude Erziehung steht. Erziehung ist das Haus des Lebens. Es wird beständig sein, wenn Educare, das Fundament, stark ist. Ohne Educare, das Fundament, wird Erziehung, das Haus, zusammenbrechen. Beide ergänzen sich und unterstützen einander. Es sind keine entgegengesetzten Pole." Das sagte Bhagavân.
Er gab ein weiteres Beispiel: "Zu Beginn lernt ihr das ABC, nicht wahr? Wenn ihr die Buchstaben beherrscht, beginnt ihr Worte zu bilden: K-a-t-z-e, R-a-t-t-e usw. Erst die Buchstaben, dann die Worte. Wenn ihr dann Worte schreiben könnt, formt ihr Sätze: 'Das ist eine Katze, das ist eine Ratte' usw. Der Satz ist also eine Kombination von Worten. Das Wort ist eine Kombination von Buchstaben. Ohne Buchstaben gibt es keine Wörter, ohne Wörter gibt es keine Sätze. Das ABC, die Buchstaben und Wörter sind das Fundament - Educare. Mit Hilfe der Buchstaben und Wörter werden Sätze gebaut - das ist Bildung. Bildung ist der Satz, der auf dem Fundament, den Buchstaben - Educare - ruht."
Dann fuhr Er fort: "Ihr seid nicht eine Person, sondern drei: Die, die ihr glaubt zu sein; die, die andere glauben, die ihr seid und die, die ihr wirklich seid.
Die, die ihr wirklich seid - das sind die Buchstaben. Die, die andere glauben, die ihr seid - das sind die Worte. Die, die ihr glaubt zu sein - das ist der Satz."
Dann sagte Er zu den Lehrern: "Ihr Lehrer, liebt eure Schüler! Habt Selbstvertrauen; Selbstachtung ist sehr wichtig. Entwickelt Vertrauen in Gott. Habt festes Vertrauen in Gott, wenn ihr eure Schüler seht. Das ist unbedingt nötig, denn wo Vertrauen ist, dort ist Liebe. Wo Liebe ist, dort ist Frieden. Wo Frieden ist, dort ist Wahrheit. Wo Wahrheit ist, dort ist Gott. Es beginnt alles mit dem Vertrauen. Achtet darauf, dass ihr euer Vertrauen nicht verliert. Seid bereit, euer Leben zu verlieren, aber verliert unter keinen Umständen euer Vertrauen. Selbstvertrauen ist die Basis, auf der die Wände der Selbstzufriedenheit errichtet werden. Auf die Wände der Selbstzufriedenheit wird das Dach der Opferbereitschaft gelegt und Selbstverwirklichung ist das Leben."
Plötzlich fragte Er: "Konntet ihr Mir folgen? Habt ihr Mir folgen können?" Sie sahen sich einander an. Ich begriff, dass sie Swamis Erklärungen nicht verstanden hatten und sagte:
"Swami, sie sind aus Thailand. Ihre Muttersprache ist Thai; sie verstehen kein Englisch. Sie haben nur Swamis Darshan (Zuhörer lachen) statt Swamis Rede."
Swami sagte: "Jhumsai, übersetz das!" (Zuhörer lachen) Und so musste Jhumsai den jungen Leuten alle diese Punkte übersetzen.
"Was studierst du?" Jhumsai übersetzte.
"In welcher Klasse unterrichtest du?" Jhumsai musste in Thai übersetzen. Es ging sehr lustig zu.
Plötzlich fragte Swami einen Lehrer: "Was willst du?"
Der Lehrer sagte etwas zögerlich: "Eine Kette?"
"Oh! Du willst eine Kette! Komm!", und dann materialisierte Swami eine Kette für ihn.
Er fragte einen anderen Lehrer: "Was willst du?"
"Swami! Einen Ring! Ich will einen Ring!"
"Komm!", und Swami materialisierte ihm einen Ring.
Dann fragte Er einen Lehrer aus Sambia: "Was führt zu Unsterblichkeit?"
Der junge Mann antwortete prompt: "Beseitigen von Unmoral führt zu Unsterblichkeit."
Swami sagte: "Korrekte Antwort!" Er materialisierte einen Ring für den jungen Lehrer.
Dann fragte Er eine Frau: "Was bist du?"
"Swami, ich bin in die Verantwortliche für Sai-Erziehung in menschlichen Werten (in ihrem Land)."
"Bist du verheiratet?"
"Ja, seit langer Zeit."
"Wieviel Kinder hast du?
"Nur drei, Swami."
"Oh! Drei Kinder! Sehr gut! Du leistest gute Arbeit. Komm!" Er materialisierte eine Kette für sie.
Ein Mädchen aus Sambia sah verstohlen zu. Swami materialisierte Vibhuti für sie.
Ich muss euch hier ein großes Geheimnis verraten (Zuhörer lachen). Ich hatte Jhumsai gesagt: "Bitte Swami um Gruppenfotos!" Er griff den Vorschlag auf.
"Swami?"
"Was ist?"
"Gruppenphoto!"
"Ja, kommt, kommt!"
Swami ließ viele Photos mit den Gruppen machen, und alle waren sehr glücklich. Dann sagte Er: "Ich werde euch prasadam geben." Er verteilte Süßigkeiten und Fotos an alle.
20. November 2002
Bhagavân saß nachmittags auf Seinem Stuhl auf der Veranda. Plötzlich sagte Er: "Hmm! Alle haben Kleider bekommen. Aber eine Gruppe wurde vergessen. Sie hat keine Kleider bekommen. Weißt du das, Anil Kumar?"
"Nein, Swami, ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich Kleider bekam; das genügt."
Swami hatte an alle Kleider verteilt, wie sollte ich wissen, dass eine Gruppe nichts bekommen hatte?!
"Swami, ich hab Kleider bekommen; was gehen mich die anderen an?"
Swami sagte: "Chi! - Pfui! Du bist egoistisch! (Zuhörer lachen) Weißt du, die Kinder im Waisenheim - Ich gab ihnen innerhalb von vier Monaten sieben Kleidersets. Aber Ich sollte auch ihren Müttern Saris geben. Geh und hole aus dem Stapel einen Sari heraus!"
Da gab es jede Menge Saris und einen sollte ich Ihm bringen. Aus Dummheit brachte ich einen Sari aus Baumwolle.
Er sagte: "Chi!" - Pfui!" Bring Seidensaris, nicht diese gewöhnlichen Saris. Sie sollten Seidensaris tragen."
"OK, Swami!"
Bhagavân sagte: "Swami wird niemals irgendjemanden vergessen. Ihr mögt vergessen; Ich vergesse nicht."
"Swami, Seidensaris?"
"Ja, warum nicht? Warum nicht! Diese Frauen haben noch niemals einen Seidensari besessen; sie kommen aus sehr armen Familien. Ihre Kinder sind hier. Lass sie glücklich feiern. Sag allen, dass Swami ihnen die Seidensaris gibt. Das wird sie glücklich machen."
10. November 2002
Swami kam vorbei und fragte einen Jungen in der ersten Reihe: "Junge, woher kommst du?"
"Swami, wir sind alle 'Bangalore Boys', Jungen aus Bangalore." Er meinte damit, dass sie alle Studenten aus Swamis Universität aus Whitefield sind.
"Bangalore Boys? - Dann geht zurück nach Bangalore!"
Sofort warf ein cleverer Student ein: "Sorry, Swami! Wir sind Babas Boys."
"Ah!... Na, dann bleibt!" (Zuhörer lachen)
07. November 2002
Swami saß auf Seinem Stuhl und rief einen Studenten herbei, der ganz weit hinten saß.
"He, Junge, komm her!" Er ist ein Student in Betriebswirtschaft aus Hyderabad.
Swami sagte: "Was willst du machen, wenn du mit dem Studium fertig bist?"
"Swami, ich will zu Deinen Füßen sein."
"Jetzt sitzt du auf einem weit von Mir entfernten Platz und da willst du nach dem Studium nahe bei Mir sein? Selbst jetzt sitzt du nicht nahe bei Mir. Wie kann ich dir da glauben, dass du hier sein willst. Nein, nein! Ich kenne so viele Jungen, die das sagen!"
Dann stellte Er eine andere Frage: "Was war das Thema des Sprechers im College heute morgen?"
Ein Junge antwortete: "Swami, da war jemand von einer Versicherungsgesellschaft. Er sprach über Versicherungen."
"Oho! Das Leben ist nicht sicher, warum denkt ihr da an Versicherungen? Es gibt keine Garantie für das Leben. Wenn das Leben selbst nicht sicher ist, was nützt da eine Versicherung?"
Alle lachten und lachten.
Das waren in Kürze die Unterhaltungen mit Baba im Monat November.
Vielen Dank!
Möge Bhagavân Euch segnen!
asato mâ sad gamaya - tamaso mâ jyotir gamaya -mrityor mâ amritam gamaya
LOKASAMASTÂH SUKHINO BHAVANTU
OM Shanti... Shanti... Shanti...